Klavikulafrakturen

Die Clavikulafraktur ist mit ca. 1,7 % die häufigste geburtstraumatische Schädigung des Neugeborenen. Im Kindesalter umfasst sie ca. 5-15% der Frakturen und ist damit die vierthäufigste Frakturform in dieser Altersgruppe. Entsprechend anderer traumatischer Verletzungen, sind Jungen häufiger als Mädchen betroffen. Als klassischer Unfallmechanismus wird zumeist der direkte Sturz auf die Schulter beschrieben. Geburtstraumatischen Clavikulafrakturen werden zumeist durch den sich bildenden Kallus mit einer konsekutiven Schwellung klinisch apparent. Wesentlich seltener fallen sie durch einen asymmetrischen Moro-Reflex oder ein asymmetrisches Stillverhalten auf. Im Kindesalter führen zumeist die typische Anamnese für das Unfallgeschehen, eine typische Klinik inkl. der typischen Schonhaltung der oberen Extremität sowie in vielen Fällen eine sicht- bzw. palpable Deformierung der Clavikula zur Verdachtsdiagnose. Aufgrund des im Kindesalter noch kräftig ausgebildeten Periostschlauchs kommt es in dieser Altersgruppe selten zu Dislokationen, so dass eine Fehlstellung der Clavikula häufig fehlt. In der Adoleszenz hingegen überwiegen die dislozierten Clavikulafrakturen. Als gebräuchlichste Klassifikation der Clavikulafrakturen im Kindesalter gilt die nach Allmann, welche die Frakturen hinsichtlich ihrer Lokalisation einteilt. Unterteilt wird diesbezüglich in die Frakturen des mittleren Clavikuladrittels (Typ I; >90%), Frakturen des lateralen Clavikuladrittels (Typ II; 5%) und die des medialen Claviculadrittels (Typ III; ca. 3%). Das Diagnostikum der Wahl ist zwar die Röntgenuntersuchung, allerdings können Frakturen des mittleren Drittels auch ausschließlich sonographisch diagnostiziert werden. In Einzelfällen ist bei Verdacht auf eine mediastinale Dislokation im Rahmen einer Fraktur des medialen Clavikuladrittels ein MRT zum Ausschluss einer konsekutiven Kompression mediastinaler Strukturen indiziert. Clavikulafrakturen haben aufgrund ihres hohen Korrekturpotentials eine sehr gute Prognose und können in der Mehrzahl der Fälle konservativ mittels Ruhigstellung behandelt werden (Gilchrist- oder Rucksackverband). Absolute Operationsindikation stellen offene Frakturen, eine bereits bestehende Perforation bzw. die Perforationsgefahr, Verletzungen neurovaskulärer Strukturen sowie eine Kompression mediastinaler Strukturen dar. Relative Operationsindikationen wären beispielsweise eine erhebliche Verkürzung der Clavikula, ein möglicherweise störendes kosmetisches Ergebnis und eine hohe sportliche Aktivität des Kindes. Insgesamt ist die operative Versorgung zumeist eine Abwägung zwischen Vor-und Nachteilen bzw. Nutzen und Risiken der Eingriffe, welche mit den Eltern unter Erläuterung der etwaigen Risiken besprochen werden muss. Optionen der operativen Versorgung sind in Abhängigkeit der Lokalisation eine ESIN-Osteosynthese (Nagel) oder die Zuggurtungsosteosynthese. Das Therapieziel, sowohl der konservativen als auch der operativen Versorgung, ist die komplette Wiederherstellung der Schulterbeweglichkeit unter Verwendung möglichst einfacher Methoden und kurzer Rekonvaleszenzzeiten.

 

Patientin mit einer Clavikulafraktur des mittleren Clavikula-Drittels (Typ I nach Allmann)

« zurück zur Übersicht