Gastroösophagealer Reflux

Definition:

Unter diesem Begriff versteht man zunächst einmal nur das Zurücklaufen von Mageninhalt in die Speiseröhre. Dies geschieht im Säuglingsalter bei fast allen Kindern gelegentlich. Zu einer Krankheit wird der Reflux erst, wenn das Kind unter den Folgen des Reflux leidet.

 

Symptome:

Das meist als erstes auffallendes Symptom eines gastroösophagealen Reflux ist das häufige Spucken oder Erbrechen. Da im Säuglingsalter die Speiseröhre noch sehr dünn ist, tritt der zurückfließende Mageninhalt aus dem Mund wieder nach außen. Wie bereits gesagt, ist dieses in einem gewissen Rahmen völlig normal, da die Speiseröhre noch sehr flach in den Magen mündet. Erst weitere Symptome lassen den Reflux krankhaft werden. Zudem gibt es viele weitere Gründe und Krankheiten warum ein Kind häufig erbricht, die abgeklärt werden müssen. Es gibt auch kleine Patienten, die unter einem Reflux leiden, ohne zu erbrechen, da der Mageninhalt nicht bis in den Mund läuft.

Die zurückfließende Magensäure verursacht bei den Kindern Schmerzen und Sodbrennen, darum leiden Sie unter Schlafstörungen und schreien viel, zeigen ein Anspannen von Händen und Füßen und haben ggf. Schweißausbrüche.

Der Mageninhalt kann, ohne aus dem Mund abzufließen, auch in die Luftröhre gelangen. Dies führt zu Husten und röchelnden Geräuschen bei der Atmung. Bei immer wieder auftretenden Infektionen der Lunge und chronischen Husten sollte daher auch an einen Reflux gedacht werden.

Die Nahrung wird immer wieder erbrochen und durch die Schmerzen, die das Kind beim Füttern hat, kommt es zur Nahrungsverweigerung und Trinkschwäche. Besonders im Säuglingsalter kann dies zu mangelnder Gewichtszunahme und Gedeihstörungen führen.

Der saure Magensaft kann außerdem die empfindlichen Milchzähne schädigen.

 

Diagnostik:

Im Säuglingsalter leidet 1 Kind von 500 unter der Symptomatik, unter Kleinkindern etwa noch 1 von 2000 Kindern.

Da also der Reflux selbst nicht immer eine Krankheit darstellt und sich im Laufe der Entwicklung zurückbilden kann, bedarf es einer genauen und sorgfältigen Diagnostik. So lassen sich die Fälle, bei denen man eine intensive Behandlung anwenden muss, von den anderen unterscheiden.

  • 24 h pH-Metrie: Bei dieser Untersuchung wird ein sehr dünnes Kabel mit 2 Messsensoren durch die Nase in die Speiseröhre des Kindes gelegt. Ein Gerät zeichnet den pH-Wert, also den Säuregehalt, an den Messpunkten auf. Fließt nun saurer Magensaft in die Speiseröhre, verändert sich der pH-Wert und man kann sehen wann, wie lange, wie häufig und auch wie hoch der Magensaft aufgestiegen ist. Mit dieser Methode kann man jedoch keine Aussage zur Schädigung der Schleimhaut der Speiseröhre oder der Lunge treffen. Zudem ist die Messmethode sehr störanfällig.
  • Röntgen-Brei-Schluck-Untersuchung: Diese Untersuchung ist nicht direkt dazu da, um einen Reflux nachzuweisen, sondern mit ihrer Hilfe kann man Fehlbildungen oder Erkrankungen, die einen Reflux verursachen, darstellen. Hierzu muss das Kind einen Brei schlucken, der nicht für Röntgenstrahlen durchlässig ist. In den anschließend angefertigten Röntgenbildern kann man dann sehen, wohin und wie schnell der Röntgenbrei fließt. Dadurch werden z.B. ein im Brustkorb liegender Magen oder eine Entleerungsstörung sichtbar.
  • Gastroskopie: Die Magenspiegelung wird bei Kindern in Narkose durchgeführt. Dabei wird ein flexibler Schlauch, an dem eine Kamera angeschlossen ist, in die Speiseröhre und in den Magen eingeführt. So kann man z.B sehen, ob bereits Schäden an der Schleimhaut der Speiseröhre aufgetreten sind. Wenn dies der Fall ist, kann man mit einer kleinen Zange kleine Proben aus der Schleimhaut entnehmen und untersuchen.
  • Bronchoskopie: Bei dieser Untersuchung schaut man sich mit einer Kamera die Luftröhre und ihre Aufzweigungen an. Dabei kann man feststellen, ob die aufsteigende Magensäure die Schleimhaut der Bronchien geschädigt hat. Auch bei dieser Untersuchung kann man kleine Proben für die Untersuchung im Labor entnehmen.

 

Behandlungsbedarf:

  • Allgemeine Maßnahmen: Sollte festgestellt werden, dass ein Kind einer Behandlung bedarf, können oftmals schon einfache Maßnahmen die Beschwerden lindern. So kann das Andicken der Nahrung mit speziellen Präparaten Besserung bringen. Zudem sollten kleinere, aber dafür mehrere Mahlzeiten gefüttert werden. Die Mahlzeiten sollten nicht direkt vor dem Schlafengehen gegeben werden und das Kind sollte mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen. Zudem sollte auf das Rauchen in der Umgebung des Kindes verzichtet werden.
  • Medikamentöse Therapie: Etwa bei 2/3 aller Kinder heilt der Reflux komplikationslos und ohne Eingriff ab. Bei diesen Kindern werden ausschließlich Medikamente verabreicht, mit denen die Säureproduktion im Magen gedämpft wird. Hierdurch können durch die Säure verursachte Entzündungen der Speiseröhre abheilen und es kommt zu keiner weiteren Zerstörung der Schleimhaut. Es werden hierzu auf der einen Seite Medikamente verwendet, die den Säuretransport in den Magen hemmen, die sogenannten Protonen-Pumpen-Hemmer, auf der anderen Seite Medikamente die bestimmte Rezeptoren blockieren, um die Säureproduktion zu senken, die sogenannten H2-Rezeptor-Antagonisten.

 

Operation:

Sollte sicht trotz medikamentöser Therapie und genügend langer Beobachtungszeit keine Besserung der Erkrankung einstellen und das Kind erheblich unter der Erkrankung leiden, sollte durch einen chirurgischen Eingriff eine Korrektur der vorhandenen anatomischen Gegebenheiten vorgenommen werden. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie werden hierbei nicht nur die Symptome, sondern direkt die Ursache behandelt. So wird durch das manschettenartige Umschlingen des unteren Speiseröhrenendes mit Teilen des Magens ein Ventilmechanismus erzeugt. Ist der Magen gefüllt, spannt sich die Manschette um die Speiseröhre an und drückt so die Speiseröhre zu. Es kann kein Mageninhalt in die Speiseröhre fließen. Entleert sich der Magen, entspannt sich die Manschette und Nahrung kann wieder normal in den Magen gelangen.

Prinzipiell muss man 2 Operationstechniken unterscheiden: die offene und die laparoskopische Technik.

  • offene Technik: Beim offenen Verfahren wird ein Schnitt direkt über den Magen gemacht. Diese Technik hat den Vorteil, dass der Operateur den gesamten Operationsbereich gut einsehen kann und auf Komplikationen rasch reagieren kann. Zudem ist die Operationsdauer hier geringer. Nachteile sind eine größere Narbe. Zudem braucht das Kind länger, um nach der Operation wieder auf die Beine zu kommen.
  • laparoskopische Technik: Bei der laparoskopischen Technik wird im Prinzip der gleiche Eingriff über mehrere kleine Zugänge im Bauchraum durchgeführt. Dazu wird der Bauch zunächst aufgeblasen, um Platz zu schaffen. Dann wird eine Kamera eingeführt, über die der Operateur die Operation verfolgen kann. Über mehrere kleine Einschnitte werden dann die Instrumente, wie Scheren, Pinzetten und Skalpelle, an langen Stäben in den Bauch eingeführt und die Operation praktisch unter der Bauchdecke durchgeführt. Der Vorteil: da keine großen Wunden entstehen, gibt es keine großen Narben und der Patient hat weniger Schmerzen und ist schneller wieder auf den Beinen. Gelegendlich machen es Umstände jedoch notwendig offen zu operieren, oder eine zunächst laparoskopisch begonnene Operation offen fortzusetzen.

Bei beiden Techniken ist ein mehrere Tage andauernder stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Wenige Stunden nach der Operation kann das Kind meistens bereits wieder erste Nahrung zu sich nehmen.

 

Ergebnisse:

Bei den Erfolgsquoten unterscheiden sich die beiden Verfahren kaum, sie liegen bei jeweils etwa 90%. Etwa 4 Monate nach der OP wird noch einmal eine umfassende Diagnostik durchgeführt, um den Erfolg zu überprüfen.

 

Häufige Fragen:

Mein Kind spuckt häufig, ist es krank? - Nicht unbedingt. In den ersten Lebensmonaten ist das Ausspucken von Nahrung noch völlig normal, da der Einmündungswinkel der Speiseröhre in den Magen noch sehr flach ist und auch das Schlucken gelernt werden muss. Sollten aber Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen oder häufige Infekte der Atemwege auftreten, fragen Sie Ihren Kinderarzt danach.

Können die oben beschriebenen Symptome nur durch einen gastroösophagealen Reflux bedingt sein? - Nein. Viele andere Erkrankungen oder Fehlbildungen machen sehr ähnliche Symptome. So kann häufiges Erbrechen auch durch eine Engstelle am Magenausgang oder am Zwölffingerdarm verursacht werden. Zudem können Teile des Magens durch das Zwerchfell rutschen und ebenfalls diese Symptome auslösen. Deshalb ist eine genaue Untersuchung und Diagnostik sehr wichtig.

Wer behandelt mein Kind? - Erster Anlaufpartner sollte für Sie immer Ihr Kinderarzt sein. Er kennt Ihr Kind genau und wird weitere Schritte einleiten. Sollte er weitere Untersuchungen für nötig halten, werden diese in unserem Hause durch die Fachärzte der Kinderklinik durchgeführt. Wenn diese eine Operation für nötig erachten, werden sie die Kinderchirurgen hinzuziehen. Da sich an der Universitätsmedizin Greifswald alle Stationen unter einem Dach befinden, steht Ihnen also immer ein interdisziplinäres Team zur Verfügung und Sie bekommen immer die Betreuung, die Sie brauchen, ohne erst das Krankenhaus wechseln zu müssen.

Muss ich unbedingt ins Krankenhaus? - Meistens ja, denn viele Untersuchungen und Operationen lassen sich nur unter stationärer Überwachung durchführen. Wir versuchen jedoch soviel wie möglich im Vorfeld über unsere Ambulanz abzuklären. Zudem sind wir immer bemüht, Ihnen und vorallem Ihrem Kind den Aufenthalt so angenehm und so kurz wie möglich zu gestalten.

 

Kontakt:

Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
Telefon: 03834-86 7037
Fax: 03834-86 7038
Email: kinderchirurgie@uni-greifswald.de

 

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