Zystitis, Pyelonephritis, Harntransportstörung

Was ist ein Harnwegsinfekt?

Bei Harnwegsinfektionen handelt es sich um die häufigsten bakteriellen Entzündungen im Kindesalter. Ca. 1% der Jungen und 3-5% der Mädchen haben in ihrer Kindheit Harnwegsinfektionen. Diese könne sich nur auf die unteren Harnwege also die Blase beschränken (Zystitis) oder aufsteigend die oberen Harnwege also das Nierenbecken und die Niere selbst betreffen (Pyelonephritis). Klinisch äußert sich die Blasenentzündung (Zystitis) durch Schmerzen bei Wasserlassen (Dysurie), gehäuftes Wasserlassen (Pollakisurie), Harndrang und Schmerzen im Unterbauch. Fieber kann ebenfalls vorkommen. Bei der Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) kommt es neben Flankenschmerzen zu einem Klopfschmerz der Flanke und meist hohem Fieber. Bei Neugeborenen und Säuglingen können auch Symptome wie Nahrungsverweigerung, Gereiztheit oder übermäßige Schläfrigkeit,  „unklare“ Fieberepisoden oder Fieberkrämpfe, Erbrechen und Durchfall Hinweis für eine Harnwegsinfektion sein.

 

Wie wird ein Harnwegsinfekt diagnostiziert?

Die Harnwegsinfektion wird mittels einer Urinuntersuchung auf weiße Blutkörperchen (Leukozyten), rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Eiweiß (Protein) und Bakterien gesichert. Beweisend ist dabei das Wachstum von Bakterien in einer Urinkultur. Zur Urinentnahme ist bei  älteren „trockenen“  Kindern ein Mittelstrahlurin ausreichend, bei kleineren Kindern kann eine Einmalkatheterisierung erforderlich sein. Bei Verdacht auf einen oberen Harnwegsinfekt (Pyelonephritis) ist die Untersuchung der Entzündungswerte im Blut sinnvoll.

Insbesondere bei der ersten Harnwegsinfektion ist zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege erforderlich, da bei bestimmten angeborene Formen der Harntransportstörung (Vesikoureteraler Reflux, Uretermündungsstenose (Megaureter) und seltener auch die Ureterabgangsstenose) ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen besteht. Da aufsteigende  Harnwegsinfektionen (Pyelonephritiden) zu einer narbigen Schädigung der Nieren und damit zu deren Funktionsminderung oder -Verlust führen können ist es wichtig diese behandelbaren Ursachen zu erkennen. Bei kleinen Säuglingen oder nach dem zweiten fieberhaften Harnwegsinfekt sollte daher auch eine Miktionszysturethrographie (MCU) zum Ausschluß eines Vesikoureteralen Refluxes erfolgen. Bei Verdacht auf Harnabflußstörungen ist eine Nierenszinitigraphie zur Berurteilung des Harnabflusses und der Nierenfunktion notwendig.

 

Wie wird ein Harnwegsinfekt behandelt?

Zur Behandlung der Harnwegsinfektionen stehen verschiedene Antibiotika zur Verfügung, die richtige Auswahl trifft ihr behandelnder Arzt. Bei unteren Harnwegsinfektionen (Zystitiden) können die Antibiotika  als Saft oder Tabletten (oral) eingenommen werden. Bei oberen Harnwegsinfektionen (Pyelonephritiden) ist in der Regel eine intravenöse antibiotische Kombinationstherapie über 7-14 Tage erforderlich.

Insbesondere bei Harntransportstörungen wie dem höhergradigen vesikoureteralen Reflux und der Uretermündungsstenose (Megaureter) sollte in den ersten 6-12 Lebensmonaten und nach einer Harnwegsinfektion ein geeignetes niedrig dosiertes Antibiotikum als  Harnwegsinfektprophylaxe eingenommen werden.

Auch wenn eine konservative Therapie in vielen Fällen möglich ist, kann in Einzelfällen (z.B. gehäuft auftetenden Harnwegsinfektionen trotz antibiotischer Prophylaxe, bereits bestehender Schädigung einer Niere, etc.) ein operativer Eingriff zur Behebung der Harntransportstörung erforderlich werden. (Siehe Vesikoureteraler Reflux, Megaureter, Ureterabgangsstenose) .  Bei bereits trockenen Kindern ist auch ein Toilettentraining zur Behebung von Blasenentleerungstörungen als Prophylaxe wichtig. Bei Vorhautverengungen kann die Vorhaut als Keimreservoir für Harnwegsinfektionen  dienen, so dass diese ebenfalls  durch sparsame Beschneidung behoben werden sollten.

Wir in der Universitätsmedizin Greifswald arbeiten in einem interdisziplinären Team aus Kinderurologen und Kindernephrologen um die für ihr Kind jeweils optimale konservative wie operative Therapie zu gewährleisten.

 

Kontakt:

Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
Telefon: 03834-86 7037
Fax: 03834-86 7038
Email: kinderchirurgie@uni-greifswald.de

 

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