Ureterabgangsstenose

Was ist eine Harnleiterabgangsenge (Ureterabgangsenge)?

Der Urin wird von der Niere ins Nierenbecken abgegeben. Von dort wird er über den Harnleiter zur Harnblase transportiert. Am Abgang des Harnleiters aus dem Nierenbecken kann eine Verengung vorliegen (Ureterabgangsenge). Diese Verengung kann zu einer Aufweitung des Nierenbeckens führen. Eine solche Aufweitung (=Hydronephrose) kann in manchen Fällen bereits vor der Geburt im Ultraschall diagnostiziert werden. Oftmals handelt es sich jedoch um einen Zufallsbefund bei symptomfreien Kindern.

 

Wie wird eine Ureterabgangsenge diagnostiziert?

Die Aufweitung des Nierenbeckens ist im Ultraschall ausgezeichnet sichtbar. Diese Untersuchung kann ambulant, z.B. im Rahmen unserer kinderurologischen Spezialsprechstunde durchgeführt werden. Je nach Ausprägung des Befundes erfolgt zusätzlich eine Nierenszintigraphie. Diese Untersuchung erlaubt eine seitengetrennte Beurteilung der Nierenfunktion und der Harnabflussverhältnisse.

Um das Zurückfließen des Urins aus der Harnblase in den Harnleiter (vesikoureteraler Reflux) auszuschließen, das ebenfalls mit einer Aufweitung des Nierenbeckens einhergehen kann, ist unter Umständen die Durchführung eines Miktionszysturethrogramms notwendig. Nierenszintigraphie und Miktionszysturethrogramm können ambulant erfolgen.

 

Wie wird eine Ureterabgangsenge behandelt?

Ist die Funktion der betroffenen Niere durch die Harnstauung nicht eingeschränkt kann eine konservative Behandlung erfolgen. Dazu gehört eine Hohlwegsprophylaxe, also die Einnahme eines niedrig dosierten Antibiotikums zur Verhinderung von Niereninfektionen. Zusätzlich werden regelmäßig Ultraschallkontrollen durchgeführt und der Krankheitverlauf genau dokumentiert.

Bei einer Nierenfunktionseinschränkung aufgrund der Harnstauung erfolgt eine Operation. Es wird eine sogenannte Nierenbeckenplastik durchgeführt. Der Harnleiter wird vom Nierenbecken abgetrennt, die Engstelle entfernt und der gesunde, normal weite Teil des Harnleiters mit dem Nierenbecken verbunden. Diese Operation wird unter Verwendung feinster, resorbierbarer Nahtmaterialien mit der Lupenbrille durchgeführt. Intraoperativ wird eine Schiene, ein sogenannter Doppel-J-Katheter, in den Harnleiter eingebracht um einen problemlosen Urinabfluss zu gewährleisten. Das ist notwendig, da nach der Operation Schwellungen des Gewebes auftreten könne, die den Harnabfluss vom Nierenbecken in die Blase behindern können. Eine Wunddrainage oder Urinableitung nach außen ist nicht notwendig. Für den Patienten und die betreuenden Personen bedeutet das eine erhebliche Erleichterung, da keine externen Drainagen, also nach außen durch die Haut führenden Ableitungen, mehr benötigt werden.

Die Operation kann offen, d.h. durch einen Hautschnitt im Bereich der Flanke, oder minimal invasiv mit der sogenannten Schlüsselloch-Technik durchgeführt werden.

Der Doppel-J-Katheter wird nach ca. 6 Wochen mittels Blasenspiegelung in Kurznarkose entfernt. Die Nierenbeckenplastik ist mit einer Erfolgsrate von ca. 95% eine ausgezeichnete und sichere Methode zur operativen Behandlung der Ureterabgangsenge.

 

Häufige Fragen:

Muss eine Ureterabgangsenge notfallmäßig operiert werden? - In der Regel handelt es sich NICHT um einen Notfall. Wichtig ist zu erkennen ob eine Einschränkung der Gesamtnierenleistung besteht, ob der Befund einseitig ist und ob Harnwegsinfekte bestehen. Bei Vorhandensein dieser Faktoren kann unter Umständen ein schnelles Vorgehen indiziert sein. Ist die Prophylaxe mit Antibiotika wirklich notwendig und wenn ja, wie lange und schadet diese? - Je nach Befund kann es notwendig sein bei einer Erweiterung der ableitenden Harnwege eine niedrig dosierte Antibiotikaprophylaxe durchzuführen. Durch die niedrige Dosierung treten in der Regel keine ernsthaften Nebenwirkungen und keine vermehrte Infektanfälligkeit bei den Kindern auf.

Wie laufen die Operation und der stationäre Aufenthalt ab? - Die stationäre Aufnahme, auf Wunsch natürlich in Begleitung eines Elternteils, erfolgt am Vortag der OP. Präoperativ werden eine Ultraschalluntersuchung, ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Oberarzt und ein Anästhesiegespräch durchgeführt. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert ca. 2 Stunden. Postoperativ werden regelmäßige Ultraschallkontrollen durchgeführt. Die Entlassung erfolgt zwischen dem 5. und 7. postoperativen Tag. Der intraoperativ eingelegte Doppel-J-Katheter wird nach 6 Wochen mittels Zystoskopie in Kurznarkose entfernt. Bis dahin wird eine Antibiotikaprophylaxe durchgeführt. Eine Schulbefreiung besteht für ca.1 Woche nach Entlassung und eine Sportbefreiung für 4 Wochen nach Entlassung.

Welche Komplikationen können auftreten und wie erfolgt die Nachkontrolle? - Generell sind Komplikationen sehr selten. Zu nennen sind Infektion und Wundheilungsstörung, aber auch spezielle Komplikationen wie das Austreten von Urin im Bereich der Naht und erneute Verengung des Ureters durch Narbenbildung. Die engmaschige Nachkontrolle erfolgt in unserer Spezialsprechstunde zur Beurteilung des Nierenwachstums und Erkennen von ev. Folgeerkrankungen. 

 

Kontakt:

Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
Telefon: 03834-86 7037
Fax: 03834-86 7038
Email: kinderchirurgie@uni-greifswald.de

 

« zurück zur Übersicht