1995 konnte unter Leitung israelischer Forscher, von einer internationalen Arbeitsgruppe unter Mitarbeit von Wolfgang Rabl/ Technische Universität München (PMID 7716548) erstmals eine wesentliche genetische Ursache des Congenitalen Hyperinsulinismus (CHI) identifiziert werden: Mutationen im Sulfonylharnstoffrezeptor (SUR1). SUR1 hat 2 Untereinheiten ABCC8 und KCNJ11, sowohl bei Diabetes mellitus Typ 3 als auch bei CHI wurden Mutationen beschrieben. Vorwiegend ist es bei CHI die Untereinheit ABCC8. Später wurden auch Mutationen im Glukokinasegen - des Schlüsselenzyms der Insulinregulation - bei diazoxidsensiblen Patienten mit CHI von den Arbeitsgruppen der Universitäten Heidelberg/Düsseldorf und Hamburg beschrieben (PMID 19053014). Eine weitere Ursache des Hyperinsulinismus, die auf einen Enzymdefekt im Harnstoffzyklus der Leber zurückzuführen ist, Hyperinsulinismus mit Hyperammonämie, HI/HA) wurde von R. Santer et al. /Universität Hamburg (PMID 11214910) beschrieben.  Eine Sonderform des CHI, die nach körperlicher Belastung manifest wird,  identifizierten erstmals 2001 T. Meissner et al. /Universität Düsseldorf (PMID 1718690). Neben den monogenetischen Formen kann CHI aber auch Teil eines Syndroms sein (PMID 11529530).

Teilnehmer des Symposiums "Nesidioblastose ? Von der molekularen Pathophysiologie zur Therapie", 6.11.1998 in Magdeburg: A. Aynsley-Green, K. Mohnike, N. Bannert, C. Nihoul-Fekete, M. Schwanstecher, H. Böhles, H. Klöppel, B. Beinbrech, H. Mau, W. Rabl.

 

Das diagnostische und therapeutische Konzept bei CHI wurde Ende der 1990 Jahre durch Aufklärung molekularer Mechanismen als auch durch die Differenzierung fokaler und diffuser Formen grundlegend verändert. Um die Zusammenarbeit zu fördern, wurde 1998 im Rahmen der Jahrestagung der Pädiatrischen Endokrinologen (APE) in Magdeburg das Symposium "Nesidioblastose - Von der molekularen Pathophysiologie zur Therapie" mit internationaler Beteiligung organisiert (Abb.). Diagnostik- und Therapieempfehlungen wurden publiziert und in der Folge eine Arbeitsgruppe in der APS gegründet.

Otonkoski et al. beschrieben 2003 die Lokalisationsdiagnostik fokaler Formen des CHI mittels L-Dopa-PET (Positronen-Emissions-Tomographie).  Bis zu diesem Zeitpunkt war ein Fokusnachweis nur durch Insulinnachweis in Hypoglykämie mittels der invasiven perkutanen transhepatischen Pankreasvenenkatheters möglich. Diese Methode war an die Expertise des Zentrums Hôpital Necker in Paris gebunden. Kinder mit fokaler Form des CHI wurden meist am gleichen Zentrum in Paris erfolgreich operiert. Unmittelbar nach Erstbeschreibung 2003 wurden von W. Mohnike und T. Eberhardt am Diagnostisch-Therapeutischen Zentrum (DTZ) Berlin "Frankfurter Tor" die L-Dopa-PET-Untersuchung in Deutschland etabliert. Eine Konsenskonferenz, die 2005 von K. Mohnike und W. Mohnike in Berlin mit Teilnehmern aus Europa und USA organisiert wurde, legte Eckpunkte des Verfahrens fest (PMID 16710094). Eine Weiterentwicklung des DTZ stellt das Hybridverfahren L-Dopa-PET/CT dar, mit dem eine exakte anatomische Zuordnung möglich wurde.

2009 wurde vom Kinderchirurgen W. Barthlen in Greifswald ein internationales Symposium mit Gästen aus Paris, London, Brüssel und Philadelphia einberufen, auf dem die jeweils neuesten Entwicklungen in Diagnostik und Therapie des Hyperinsulinismus vorgestellt wurden. 

Die Operationstechnik der fokalen Form des CHI konnte W. Barthlen zunächst an der Charité, seit 2008 an der Universität Greifswald durch laparoskopische Enukleation gewebeschonend erfolgreich etablieren und weiterentwickeln (PMID 21325787).

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