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Geschichtlicher Abriß (von Dr. Peter Siemer)

Medizinische Lehre ist an der Universität Greifswald seit der Gründung 1456 belegt.

Eine "klinische" Ausbildung außerhalb der Vorlesungen ist erstmals in der 1781 abgefassten "Lazarett=Ordnung" (1) erwähnt: "Die spezielle Aufsicht im Lazarett haben der Lehrer der innerlichen Heilkunde und der Lehrer der Wundarzneikunst. Jener hat bei innerlichen Krankheiten, und dieser bei äußerlichen die Aufsicht, und sie sehen darauf, dass die jungen Ärzte, Wundärzte und der vom Gesundheitscollegio eingesetzte Lazareth-Chirurgus, die ihnen vorgeschriebenen Krankenbesorgungen und Berichte täglich machen... Auch erhalten die jungen Ärzte und Wundärzte, so viel wie möglich, am Krankenbette, von dem Lehrer der innerlichen Heilkunde, die dahin gehörigen Krankheiten, und vom Lehrer der Wundarzneikunst, in dieser Wissenschaft und in der Geburtshilfe, Unterricht" (3).

 

Der erste stationäre Patient wurde am 2. März 1781 in das 20 Betten in 5 Zimmern umfassende "Königl. Lazarett" Greifswald aufgenommen.

Über die ersten hier bis 1795 behandelten 301 Patienten ist uns ein sorgfältig geführtes Krankenregister (4). überliefert. Viele der dort genannten Diagnosen können wir heutzutage der Chirurgie zuordnen:

"Beinfraß am ganzen linken Schienbein / Verwundung am Schienbein / Böse Geschwüre des rechten Knies / Veralteter Schaden am Unterschenkel mit starken Geschwulst / Starke Verhärtung im Unterleib / Beinfäule an den Zähen / Kalter Brand an beiden Unterfüßen / Veraltete fistulöse Geschwüre an der rechten Lende / Veraltete Geschwüre und Knochengeschwulst auf der rechten Brust / Krebs an der linken Brust / Bruch der Kniescheibe des linken Fußes / Leistenbruch / Kalter Brand am Fuße / Schenkelbruch / Stichwunde am Fuß / Beinbruch / Komplizierter Beinbruch am Arme / Veraltete Geschwüre in der Lende mit Beinschäden / Eingeklemmter Bruch / Wunde auf dem Kopfe / Vom Pferde gebissene Wunde mit Scirrhositäten in der Leiste / Brandiger Schenkelbruch / Verbrennung / Trennung des knorpeligen Theils der zweiten wahren Rippe, vom knöchernen Teil desselben / Beim Steinsprengen dermaßen verletzte Hand, dass die Amputation erforderlich."

 

Mit der "Wundarzneikunst" und "äußerlichen" Medizin, in denen die Wurzeln von Chirurgie, Geburtshilfe und der Augenheilkunde zu suchen sind, befasste sich in jener Zeit der jeweils zuletzt berufene Professor der Medizinischen Fakultät. 1788 , noch unter schwedischer Krone, war dies Lorenz W. v.Haselberg.

Er demonstrierte bereits 1786 noch als Adjunkt "wenn sich cadavera finden, die wichtigsten Operationen an solchen".

Damit ist die medizinische Ausbildung in Vorlesungen, in den genannten Demonstrationen von Operationen und in bescheidenem Umfang am Krankenbett des "Königl. Lazareth's" belegt.

 

Übrigens gibt es auch heute noch kein eigenständiges städtisches Krankenhaus außerhalb der Universität. Diesem besonderen Umstand verdanken die Studierenden der Medizin in Greifswald ihre vielseitige und praxisnahe Ausbildung.

 

Ein ambulanter Unterricht wurde im Jahre 1795 mit der Stiftung eines "poliklinischen Instituts" ermöglicht, d.h. es wurde eine bescheidene Summe zu diesem Zweck bereitgestellt.

Auf den ersten preußischen Lehrstuhl für Chirurgie wurde 1831 Prof. Mandt berufen.

 

Der Bau des Universitäts-Krankenhauses in der Friedrich-Löffler-Straße 23a wurde durch die Profs. Berndt, der zeitweise auch den chirurgischen Lehrstuhl innehatte, und Baum, der ein Lehrer Billroths war, angeregt. 1856 erfolgte die Grundsteinlegung nunmehr unter Prof. v.Bardeleben. Dieses Gebäude wird noch heute von den Kliniken des Fachgebiets Innere Medizin genutzt. Nachfolgende Lehrstuhlinhaber waren Schirmer, Hueter und Vogt.

Da dieser Bau aber schnell zu eng wurde, konzipierten die Profs. Helferich und August Bier die heutige Chirurgische Klinik in der Friedrich-Löffler-Straße 23b . Sie wurde nach nur 3jähriger Bauzeit 1903 unter Prof. Paul Friedrich eingeweiht. Friedrich ist durch seine Versuche zur Wundheilung in die Geschichte der Chirurgie eingegangen und führte auch den Gebrauch des nahtlosen Hallstedt-Gummihandschuhs ein.

Unter ihm setzte Sauerbruch, aus Breslau kommend, seine Versuche zur Unterdruckkammer fort. Auf Friedrich folgte Payr, blieb aber nicht lange, sondern folgte einem Ruf nach Leipzig. Er betätigte sich auf dem Gebiet der Ulkusresektion, der Gelenkmobilisierung und des Hydrocephalus. Der Mitbegründer der "Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen" Fritz König wirkte übrigens von 1910-1911 in Greifswald. Danach hatte Friedrich Pels-Leusden von 1911-1934 den Lehrstuhl inne. Er bewirkte den Einbau einer damals modernen Röntgenabteilung und interessierte sich für die Chirurgie der Tuberkulose, der Extremitäten, für Schädeltrepanation u.a. Ein zu kurzes Intermezzo gab Georg Konjetzny. Ab 1935 leitete Karl Reschke, der schon als Oberarzt unter Pels-Leusden arbeitete, die Klinik. Er untersuchte die Verwendung von Elfenbeinstiften bei der Genu-valgus-Korrektur, gab zur "Chirurgischen Indikation" eine Monographie heraus und plädierte für die 48h-Indikationsgrenze bei der Appendizitis. Sein Name ist aber durch nationalsozialistisches Engagement als Rector magnificus in Verruf gekommen. (5).

 

Nach dem 2. Weltkrieg haben wie auch schon früher viele Chirurgen in Greifswald eine für sich und die Klinik bedeutsame Zeit verbracht, bevor sie andernorts ihr angemessenes Wirkungsfeld fanden. Stellvertretend für alle seien nur die Professoren Kothe (Leipzig), Reding (Rostock), Tischer (Kinderchirurgie Leipzig) und Kiene (Leipzig) genannt.

Ein Neubau im Bereich des Klinikums in der Sauerbruch-Straße ist in Vorbereitung.

 

  1. Weigel, C.E.: Des Königl. Gesundheits-Collegii Ordnungen für das hiesige Königl. Lazarett. A. Lazarett=Ordnung (1781 abgefasst). In: 2 (Bd.1) S.5 
  2. Weigel, Christian Ehrenfried (hrsg): Magazin für Freunde der Naturlehre und Naturgeschichte, Scheidekunst, Land- und Stadtwirthschaft, Volks- und Staatsarznei.
    Berlin, Stralsund & Greifswald: Gottlieb August Lange 1795
  3. In: 2 (Bd.1) S.6
  4. Weigel, C.E.: Auszug aus dem allgemeinen Register über die im Greifswaldischen Lazarett aufgenommenen Kranken. In: 2 (Bd.3, H.1) S.22-41, (Bd.3, H.2) S.56-73, (Bd.4, H.2) S.16-19
  5. Lorenz, D.: Geschichte der Chirurgie in Greifswald.
    Pers.Mitteil., 1991.


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