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Forschung am Institut für Sozialmedizin und Prävention



Transitions in Alcohol Consumption and Smoking (TACOS)

 

Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren bei Remission von Alkoholabhängigkeit ohne formale Hilfe (TACOS 2)

 

Die Mehrheit der Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkoholabhängigkeit basieren auf Hilfe suchenden Personen. Jedoch zeigen Ergebnisse der Epidemiological Catchment Area Study (ECA), dass nur 22 % der Alkoholabhängigen innerhalb von 12 Monaten Hilfe suchten (1). Der National Longitudinal Alcohol Epidemiologic Survey (NLAES) zeigt, dass nur 14,1 % der Personen mit Alkoholabhängigkeit oder -missbrauch jemals eine Behandlung erhielten (2). Wenig ist bekannt darüber, wie Alkoholabhängige ohne formelle Hilfe eine Remission erreichen. Ergebnisse aus einer kanadischen Bevölkerungsstudie zeigen, dass 77 % aller Problemtrinker nie formelle Hilfe erhielten (3), allerdings wurden dabei Abhängigkeit und Missbrauch nicht differenziert.

 

Die meisten Studien über natürliche Remission von Alkoholabhängigkeit berücksichtigen keine Kontrollgruppen (z. B. 4). Jüngste Forschungsprojekte mit Kontrollgruppen haben ihren Schwerpunkt auf den auslösenden Mechanismus von Remission vor allem durch besondere Lebensereignisse (5, 6). Daten bezüglich psychologischer Faktoren der Aufrechterhaltung wie Selbstwirksamkeit oder Coping-Mechanismus fehlen (siehe 7), oder es wurden keine standardisierten Instrumente genutzt. Diese Ergebnisse könnten einen neuen Impuls für Behandlungsmethoden geben. Ziel der Studie ist die Untersuchung der auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren der Remission von Alkoholabhängigkeit ohne formelle Hilfe. Methodische Verbesserungen basieren auf einem Kontrollgruppendesign, standardisierter Bewertung der relevanten psychologischen Faktoren und einer Follow-up-Studie.

 

Methoden

 

Remittierte Alkoholabhängige wurden rekrutiert aus Aufrufen in den Medien (Zeitungsartikel und Anzeigen, Radio- und TV-Berichte). Zusätzlich wurde ein Teil der Stichprobe aus einer repräsentativen Bevölkerungsstudie von 4.075 Personen genutzt. Insgesamt 220 remittierte Alkoholabhängige wurden in einem persönlichen Interview befragt. Einschlusskriterien sind: Alkoholabhängigkeit nach DSM-IV oder ICD-10, remittiert in den letzten 6 Monaten, keine ambulante oder stationäre Behandlung. Zwei Gruppen wurden unterschieden: (1) keine formelle Hilfe (Teilnahme an nicht mehr als zwei Selbsthilfegruppen-Treffen, wie AA, und nicht mehr als eine Beratung durch einen Arzt), (2) geringe formelle Hilfe (Teilnahme an nicht mehr als 10 Selbsthilfegruppen-Treffen und nicht mehr als fünf Beratungen durch einen Arzt). Die Kontrollgruppe wurde rekrutiert aus einer Bevölkerungsstichprobe (aktuell Abhängige) sowie Abhängigen in Beratung und Selbsthilfegruppen (Abhängige remittiert vor weniger als einem Jahr).

 

Das Interview betraf drei Zeitfenster: (1) zwei Jahre vor der Remission, (2) ein Jahr nach der Remission, (3) das Jahr vor dem Interview. Angehörigeninterviews wurden durchgeführt zur Bestätigung des Alkoholabhängigkeitssyndroms, zur Inanspruchnahme formeller Hilfe, zum Zeitpunkt der Remission und zu Alkoholkonsum seit der Remission. Ein Follow-up wurde nach zwei Jahren durchgeführt.

 

Die folgenden Variablen werden überwiegend durch standardisierte Instrumente beurteilt: (1) Auslösende Faktoren - Schwere der Abhängigkeit, nachteilige Konsequenzen des Trinkens, nicht erfolgreiche Bemühungen, weniger zu trinken oder abstinent zu bleiben, sozialer Druck, Lebensereignisse, soziale Unterstützung sowie Gründe dafür, dass keine Hilfe gesucht wurde; (2) Aufrechterhaltende Faktoren - Coping-Mechanismus, Versuchung zu trinken und Selbstwirksamkeit, nicht zu trinken, soziale Unterstützung, Zufriedenheit mit dem Leben, psychische Gesundheit und Unterstützung in unterschiedlichen Lebensbereichen.

 

Das Projekt wurde im Juli 1995 begonnen. Die Datensammlung von TACOS 1 wurde im Januar 1998 beendet. Die Follow-up-Untersuchung endete im Jahr 2000. Bisher durchgeführte Analysen einer Sub-Stichprobe zeigen die negativen Konsequenzen des Trinkens in den Bereichen Gesundheit, Arbeit, Familie und Fahren unter Alkoholeinfluss als relevante auslösende Faktoren bei der Remission von Alkoholabhängigkeit ohne formale Hilfe. Die soziale Unterstützung ist dabei ein signifikanter aufrechterhaltender Faktor. Außerdem ist die soziale Unterstützung ein wichtiger Faktor für Alkoholabstinenz und niedrigeres Verlangen nach Alkohol.

 

Zusammenarbeit

 

Eine Zusammenarbeit besteht mit dem deutschen Forschungsnetzwerk "Analytical Epidemiology of Substance Abuse (ANEPSA)". Bedingungen für den Gebrauch und Missbrauch von psychoaktiven Substanzen werden in verschiedenen Forschungsgruppen in Längsschnittstudien analysiert. Kontaktpersonen sind: Dr. Bühringer / Dr. Küfner (IFT Institut für Therapie Forschung München) Prof. Dr. Wittchen (Max-Planck-Institut, München) und Prof. Dr. John (Universität Greifswald). Das Forschungsnetzwerk wird unterstützt im Rahmen des Programmes "Biologische und psychosoziale Faktoren zu Drogenmissbrauch und -abhängigkeit" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

 

Die Studie wird unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung 

 

 


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