Psychotherapeutische Ambulanz für Traumafolgestörungen

Prof. Dr. Dr. Ulrich Wiesmann
Psychologischer Psychotherapeut
Leiter des Psychotherapeutischen Dienstes

Ermächtigt zur Teilnahme an der psychotherapeutischen Versorgung zur Erbringung verhaltenstherapeutischer Leistungen bei Patienten mit Traumafolgestörungen durch direkte Inanspruchnahme der Patienten vom 9.5.2012
Betriebsstättennummer: 786972800

Termine:

nach Vereinbarung:
Tel. ++49 (0)3834 86 56 03 | wiesmann@uni-greifswald.de |

Psychotherapeutische Sprechstunde:

donnerstags 13:00 - 14:00 Uhr

An wen richtet sich das psychotherapeutische Angebot?

An wen richtet sich das psychotherapeutische Angebot?

In der psychotherapeutischen Ambulanz werden Menschen behandelt, deren psychisches Leiden durch ein oder mehrere traumatische Ereignisse verursacht worden ist.

Was ist ein Trauma?

Was ist ein Trauma?

„Ein Trauma ist ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer & Riedesser, 2009, S. 84).

Ein Trauma ist eine seelische Verletzung, die gekennzeichnet ist durch eine Überforderung der psychischen Schutzmechanismen angesichts eines oder mehrerer bedrohlicher Ereignisse. Dazu gehören Naturkatastrophen und schwere Unfälle, die Diagnose einer lebensbe-drohlichen Erkrankung, Erfahrungen seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen.

Traumatische Ereignisse lassen sich hinsichtlich ihrer Verursachung unterscheiden, wobei von Menschen verursachte („man made“) Traumata ein höheres Risiko für Traumafolgestö-rungen haben als akzidentelle Ereignisse (Naturkatastrophen, Unfälle). Ein anderes Unter-scheidungsmerkmal ist ihre Dauer/Frequenz. Menschen erleben ein solches Ereignis einmalig und kurzfristig (sog. Monotrauma, z.B. Vergewaltigung, Raubüberfall, Verkehrsunfall; sog. Typ I Stressor), oder sie sind Opfer mehrmaliger bzw. langandauernder Ereignisse (z.B. Fol-ter, sexuelle bzw. körperliche Misshandlungen, sog. Typ II Stressoren). Diese sich wiederho-lenden Traumatisierungen werden auch als Komplextraumata bezeichnet (im Vergleich zum Monotrauma).

Ein psychisches Trauma liegt vor, wenn das Ereignis bzw. Ereignisse „mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß“ (ICD-10) einhergeht bzw. einhergehen und „bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (ICD-10), mit anderen Worten, die betroffene Person mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit oder Entsetzen reagiert.

Posttraumatischer Stress

Posttraumatischer Stress

„Eine traumatische Stressreaktion ist eine normale Reaktion normaler und gesunder Menschen auf ein abnormales Ereignis“ (Mitchell & Everly Jr, 1998, S. 78).

Menschen, die posttraumatischen Stress erleben, sind nicht unnormal oder „verweichlicht“, sondern angesichts einer krassen lebensbedrohlichen Erfahrung seelisch und körperlich überfordert. Insofern ist das posttraumatische Stresserleben eine natürliche Reaktion auf (das) traumatische Ereignis(se).

In vielen Fällen gelingt es Menschen, mit ihren eigenen Selbstheilungskräften traumatische Erfahrungen so zu verarbeiten, dass sie ihr Alltagsleben nicht weiter bestimmen und beeinträchtigen. In anderen Fällen kann das posttraumatische Stresserleben über lange Zeiträume weiter bestehen bleiben, weil die Bewältigungsmöglichkeiten nicht ausreichend sind. Es äußern sich chronische Traumafolgestörungen.

Traumafolgestörungen

Traumafolgestörungen

Je nach Persönlichkeit, individueller Lebensgeschichte, persönlicher Zustand während des Traumas/der Traumata, Merkmale des/der traumatischen Ereignisse(s) können sich unter-schiedliche psychische Störungen entwickeln. Dazu gehören (laut ICD-10 bzw. DSM-IV):

  • Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1; DSM-IV: 309.81) und Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.2; DSM-IV: 309.x)
  • Komplexe Traumafolgestörungen
    • Dissoziative Identitätsstörung (DSM-IV: 300.14; vormals Multiple Persönlichkeitsstörung [ICD-10: F44.81])
    • Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (Disorder of Extreme Stress not otherwise specified [DESNOS] – bisher noch nicht im DSM/ICD enthalten)
  • Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F 62.0)
  • Sonstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10: F43.8/F43.9)
  • Weitere Formen von Traumafolgestörungen
    • Dissoziative Störungsbilder (ICD-10: F44.x)
    • Somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
    • Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Borderline) (ICD-10: F60.3)
  • Komorbide Störungen
    • Angststörungen (ICD-10: F40.xx)
    • Depressive Episoden (ICD-10: F32.xx, F33.xx)