Interdisziplinäres Liquorlabor (Neurologie, Institut für klinische Chemie)

Leitung

Prof. Dr. med. A. Flöel, Prof. Dr. med. M. Nauck

Das interdisziplinäre Liquorlabor der Universitätsmedizin Greifswald besteht seit 2013 in Zusammenarbeit des Instituts für klinische Chemie und der Klinik für Neurologie. Das interdisziplinäre Team besteht aus medizinisch-technischen Mitarbeitern, akademische Mitarbeiter der klinischen Chemie und Neurologen, welche sich speziell mit der Liquoranalytik beschäftigen. In den täglichen Befundungsrunden erstellen mindestens zwei Mitarbeiter jeweils der klinischen Chemie und der Neurologie eine Interpretation des integrierten Liquorgesamtbefundes. Zudem stehen in der Liquoranalytik erfahrene Kollegen täglich von 8:00 Uhr bis 16:30 Uhr bereit, um zusätzliche Fragen zur Interpretation von Liquorbefunden zu beantworten.

Die Befunde der Liquoranalyse können wegweisend in der Differentialdiagnostik neurologischer Erkrankungen sein, beispielsweise zur Diagnostik infektiöser und entzündlicher ZNS Erkrankungen, bei neurodegenerativen und neoplastischen Erkrankungen sowie zum Ausschluss oder Nachweis einer Blutung im Zentralnervensystem.

Basisprogramm

Notfall- und Routineanalytik für Zellzahl, Laktat, Glucose und Gesamteiweiß

Zelldifferenzierung

Lymphozyten, Monozyten, neutrophile Granulozyten und Plasmazellen - prozentual. Als sonstige Zellen werden berichtet: aktivierte Lymphozyten, aktivierte Monozyten, Makrophagen (Erythrophagen, Haemosiderophagen; Leuko- und Lipophagen). Atypische Zellen. Zellen des Deckepithels (Ependym- und Plexus-Zellen) oder Knochenmark- und Knorpel-Zellen.

Proteine

Für Albumin, IgG, IgA und IgM werden Liquor-und Serumprobe bestimmt, um eine Auswertung in den Quotientendiagrammen zu ermöglichen. Die Änderung der Blut-Liquor-Schrankenfunktion wird altersabhängig ausgewertet.

Intrathekale Ig-Synthese

Die Quotientendiagramme mit hyperbolischen Funktionen nach Reiber (J Neurol Sci 1994;122:189-203) erlauben eine quantitative Auswertung der intrathekalen Immunglobulinsynthese.

Die qualitative Analyse der intrathekalen Immunglobulinsynthese erfolgt mittels isoelektrischer Fokussierung und Immundetektion. Der Befund positiver oligoklonaler Banden liegt vor bei Nachweis von oligoklonalen Banden Typ II und III (nach internationalem Konsens). Eine einzelne Bande wird nicht als oligoklonales IgG bezeichnet.

Hirnproteine im Liquor

Für die Differerentialdiagnose degenerativer Erkrankungen besteht die Möglichkeit der Analyse von NSE und S 100 als Destruktionsparameter, sowie mittels Fremdversand die Analyse der Demenzmarker Tau-Protein, Phospho-Tau, ß-Amyloid, 1-40 und 1-42, Protein 14-3-3.

ß-Trace-Protein wird zum Nachweis von Liquor in anderen Körperflüssigkeiten (Nasensekret, Ohrsekret) analysiert; hierfür ist die Einsendung einer Serumprobe notwendig, um eine zuverlässige Interpretation zu ermöglichen.

Erregerspezifische Antikörper

Der Antikörper-Index (AI) wird mit Bezug auf den Ig-Quotienten oder bei intrathekaler Ig-Klassenreaktion auf den Grenzwert des Referenzbereiches QLim (Ig) berechnet. AI-Werte >= 1,5 werden als pathologisch bezeichnet. Für die Zuverlässigkeit der Interpretation wird es bevorzugt, mehr als einen Parameter zu analysieren.

Die Kombination MRZ wird nur bei vorausgehendem Nachweis von oligoklonalem IgG analysiert.