Neuromuskuläre Erkrankungen


Leitung

Prof. Dr. med. Ulf Schminke
Professor für Klinische Neurophysiologie
Ltd. Oberarzt der Klinik für Neurologie

Die Diagnosestellung von neuromuskulären Erkrankungen ist aufgrund der klinischen und genetischen Heterogenität bei vielen Patienten nicht einfach. Die klinische Untersuchung alleine ermöglicht zwar häufig eine Verdachtsdiagnose zu stellen, eine definitive diagnostische Einordnung gelingt jedoch meistens erst nach Inanspruchnahme spezieller Untersuchungsmethoden in dafür ausgewiesenen Laboren. Hierbei gilt es nicht nur behandelbare Erkrankungen frühzeitig zu identifizieren, sondern auch diagnostische Unsicherheiten zu beenden und ggf. unwirksame nebenwirkungsreiche Therapien abzusetzen. Leider dauert es heute immer noch sehr lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Deshalb sollten Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen in Deutschland in einem von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) zertifizierten neuromuskulären Zentren untersucht werden.

Diagnostik und Therapie können ambulant über unsere Spezialsprechstunden oder in komplexeren Fällen auch stationär erfolgen.

Sprechstunde für neuromuskuläre Erkrankungen und für amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Wie können sie sich anmelden?

Termine nur nach Vereinbarung,

telefonische Terminvergabe: 03834 86-6832

(eine Terminvergabe per e-mail ist aus Datenschutzgründen nicht möglich)

Wo müssen Sie sich anmelden?

Die Anmeldung erfolgt in der Poliklinik für Neurologie

Haus B, Erdgeschoss

 

Was müssen Sie mitbringen?

Einen Überweisungsschein vom Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt

Befunde / Arztbriefe über bisher stattgefundene Diagnostik

MRT-Bilder und Röntgen-Bilder als CD

 

In dieser Spezialsprechstunde können sich Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen zur diagnostischen Klärung der Ursache der Erkrankung oder zur weiteren Behandlung oder Beratung über die Erkrankung vorstellen. Unter neuromuskulären Erkrankungen versteht man Erkrankungen, die zu einer Schwäche (Parese) oder Verschmächtigung (Atrophie) der Muskulatur führen und die im Volksmund häufig als „Muskelschwund“ bezeichnet werden. Dabei stellt die Atrophie der Muskulatur ein Symptom dar, das bei unterschiedlichen Erkrankungen auftreten kann und entweder auf wenige Muskelgruppen beschränkt bleibt oder auch die gesamte Muskulatur betreffen kann.

Zu den neuromuskulären Erkrankungen zählen:

  • Progressive Muskeldystrophien
  • Kongenitale Muskelerkrankungen mit Strukturveränderungen,
    • u.a. Myofibrilläre Myopathien
  • entzündliche Muskelerkrankungen,
    • inkl. Einschlusskörper-Myositis
  • Myotonien und muskuläre Ionenkanalerkrankungen
  • Stoffwechselbedingte Muskelerkrankungen
  • Mitochondriale Myopathien
  • Myasthenia gravis und andere Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und andere Motoneuron-Erkrankungen

 

Eine möglichst genaue Klärung der Diagnose ist von großer Bedeutung, um eine kausale oder zumindest symptomatische Therapie zu beginnen und um unterstützende Maßnahmen wie eine individuelle Verordnung von Hilfsmitteln (z.B. Rollstuhl oder Kommunikationshilfen) einleiten zu können, damit trotz körperlicher Einschränkung eine Teilnahme am sozialen Leben ermöglicht wird. Unsere Spezialsprechstunde ist Teil des neuromuskulären Zentrums Mecklenburg-Vorpommern - Bereich Vorpommern -, das mit dem Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) zertifiziert ist. In unserem Zentrum können sowohl elektrophysiologische als auch bildgebende sonographische und molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn erforderlich kann außerdem eine Gewebeprobe der erkrankten Muskulatur entnommen und histologisch untersucht werden. Darüber hinaus besteht eine gute Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Deutschen Gesellschaft Muskelkranke e.V., so dass Kontakte zu Patientengruppen vermittelt werden können.

Sprechstunde für ambulante elektrophysiologische Diagnostik und EMG-gestützte Botulinumtoxin-Behandlung

Wie können sie sich anmelden?

Termine nur nach Vereinbarung,

 

telefonische Terminvergabe: 03834 86-6837

(eine Terminvergabe per e-mail ist aus Datenschutzgründen nicht möglich)

 

eine Terminvergabe kann ausschließlich per Überweisung durch eine/n niedergelassenen Facharzt/-ärztin für Neurologie oder Nervenheilkunde aus Mecklenburg-Vorpommern erfolgen, die/der anschließend auch die weitere Behandlung übernimmt.

 

Wo müssen Sie sich anmelden?

Die Anmeldung erfolgt in der Poliklinik für Neurologie

Haus B, Erdgeschoss

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Eine elektrophysiologische Diagnostik dient zur Klärung der Ursachen von Erkrankungen oder Verletzungen peripher Nerven oder von neuromuskulären Erkrankungen. Darüber hinaus können bei fokalen Dystonien beteiligte Muskelgruppen identifiziert werden und bei Tremor-Erkrankungen Art und Frequenz des Tremors bestimmt werden.

An Untersuchungsmethoden stehen eine 4-Kanal-Elektromyographie (EMG) mit Oberflächenelektroden und konzentrischen Nadelelektroden sowie eine sensible Neurographie mit Oberflächenelektroden zur Verfügung.

Indikationen zur elektrophysiologischen Untersuchung sind:

  • Nervenkompressionssyndrome
  • Wurzelkompressionssyndrome
  • Polyneuropathien
  • Taumatische Schädigungen des peripheren Nervensystems
  • Nervenscheidentumore
  • Motoneuron-Erkrankungen
  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Fokale Dystonien
  • Tremor-Erkrankungen

EMG-gestützte Botulinumtoxin-Behandlung

Die lokale Injektion von Botulinumtoxin (BoNT) ist mittlerweile eine gut etablierte symptomatische Therapie von Erkrankungen, die mit einer abnorm erhöhten Steifigkeit (Muskeltonus) der quergestreiften und glatten Muskulatur einhergehen. Durch die Injektion von BoNT wird der erhöhte Muskeltonus für die Dauer von mehreren Monaten (im Durschnitt 3 Monate) reduziert. In Fällen, bei denen die betroffenen Muskeln nicht einfach zu identifizieren sind, gelingt es unter Verwendung speziell präparierter Hohlnadeln durch elektromyographische (EMG-) Kontrolle der Nadelposition das Medikament gezielt an die Stelle zu injizieren, an der es seine Wirkung optimal entfalten kann.

Eine EMG-gestützte BoNT-Injektion ist bei folgenden Erkrankungen sinnvoll:

  • Zervikale Dystonien mit überwiegend rotatorischer Bewegungskomponente („Torticollis spasmodicus“)
  • Fokale Spastizität der Hand mit übermäßigem Faustschluss
  • Fokale Spastizität des Beines mit dynamischer Spitzfuß-Stellung nach Schlaganfall oder infantiler Zerebralparese

 

Bevor erstmalig eine Injektions-Behandlung mit BoNT erfolgt, ist eine ausführliche ärztliche Untersuchung erforderlich. Hierzu sollten Sie bitte die folgenden Unterlagen mitbringen:

  • Befunde / Arztbriefe über bisher stattgefundene Diagnostik sowie über eine eventuelle frühere Behandlung mit BoNT
  • MRT-Bilder und Röntgen-Bilder als CD
  • Medikamentenplan über alle aktuell eingenommenen Medikamente