Wirbelsäule

Wirbelsäulenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben, weshalb eine gründliche Diagnostik die unerlässliche Grundlage einer erfolgreichen Therapie ist. Wir behandeln akute und chronische Rückenleiden, Wirbelverletzungen, Bandscheibenvorfälle an der Hals-und Lendenwirbelsäule, Einengungen des Wirbelkanals sowie entzündliche und tumoröse Wirbelveränderungen. Wirbelsäulendeformitäten können sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen auftreten. Hier ist eine konservative sowie eine operative Therapie durchführbar. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Patienten ein erfolgreiches individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln.

Bei stationären Behandlungen arbeiten wir mit dem "rapid recovery-System". Das heißt, die Patienten werden frühzeitig mobilisiert. Der stationäre Aufenthalt beträgt damit nur wenige Tage (3-7 Tage).

Besondere Erfahrungen bestehen bei folgenden Verfahren:

  • konservative Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen (kurzstationär-akut, diagnostisch stationär)
  • Infiltrationstherapie (Epidurale Injektionen/Katheter, diagnostische PRT, Facetteninfiltrationen, Infiltrationen am Kreuzbein-Darmbein-Gelenk ISG)
  • Thermokoagulation/Verödung von Facettengelenken und ISG
  • Mikrochirurgische Therapie bei Bandscheibenvorfällen der HWS und LWS
  • Mikrochirurgische Erweiterungen des Rückenmarkkanals bei Verengungen (Spinalkanalstenosen)
  • Stabilisierungsoperationen (Spondylodesen) bei Instabilitäten, Deformitäten der Wirbelsäule (z.B.  Skoliosen, Mb. Bechterew) und anderen Schmerzsyndromen
  • Minimalinvasive Behandlung von Wirbelbrüchen bei Osteoporose (Kyphoplastie/Vertebroplastie/Osseofix), perkutane Stabilisierung (Fixazeur interne)
  • Erkrankungen der HWS (künstlicher Bandscheibenersatz und Versteifungen)
  • Behandlung von Entzündungen der Wirbelsäule  (Diszitis/Spondylodiszitis)
  • Operative Behandlung von Tumoren der Wirbelsäule (Stabilisierung, Ablation, Kypho-IORT )
  • Neuromodulation peripher und epidural (SCS, Radiofrequenztherapie)

Erkrankungsbilder:

Wirbelgleiten (Spondylolisthese)

Das Wirbelgleiten (Spondylolisthese) ist eine Instabilität der Wirbelsäule, bei der sich das obere Teilstück der Wirbelsäule mit dem Gleitwirbel über den darunter liegenden Wirbelkörper verschiebt. Die Ursache können Fehlanlagen im Bereich der kleinen Zwischenwirbelgelenke, Verschleiß aber auch ein Unfall sein. Hierdurch kommt es zur Einengung der Nervenfenster und des Wirbelkanales. Dies führt zu einer Kompression von Nerven und Nervensträngen und kann hiermit Schmerzen, Taubheitsgefühle bis hin zu Lähmungen auslösen. Die Therapie kann konservativ sowie operativ sein. Bei Auftreten von Lähmungen und Taubheitsgefühlen kann eine Operation erwogen werden. Diese besteht in der Korrektur und Versteifung des Wirbelgleitens (Spondylodese) sowie Dekompression der eingeengten Nerven.

 

Der zu enge Wirbelkanal (Spinalkanalstenose)

Als Spinalkanalstenose wird die Einengung von Nerven im Rückenmarkskanal bezeichnet. Ursache ist oft ein fortgeschrittener Verschleiß der Bandscheibe mit folgender Instabilität zweier Wirbelkörper sowie einer verschleißbedingten Verdickung der kleinen Wirbelgelenke.

Typischerweise führt dieses Krankheitsbild zu belastungsabhängigen Beinschmerzen sowie einer verkürzten Gehstrecke. Gelegentlich finden sich aber auch Ausfälle von Nervenbahnen (Taubheit oder Kraftverlust) in den Beinen, die sich in Ruhe wieder normalisieren. Auch ein „Schweregefühl“ der Beine, vor allem beim Gehen sowie ein Gefühl der Unsicherheit sind kennzeichnend für diese Krankheit. Spezielle Untersuchungen, wie zum Beispiel ein MRT oder eine Myelographie, beweisen die Diagnose. Differentialdiagnostisch ist jedoch auch eine gefäßbedingte Ursache abzugrenzen.  Die Therapie richtet sich nach der Ausprägung der Einengung und  nach möglichen Begleiterkrankungen. Falls eine Operation unumgänglich ist, werden die Nerven und das Rückenmark entlastet indem bedrängende Strukturen entfernt werden und gegebenenfalls eine Stabilisierung (Versteifung) durchgeführt wird.

 

Der Bandscheibenvorfall

Der menschliche Körper besitzt 23 Bandscheiben, die wie eine Art Stoßdämpfer und zugleich Abstandshalter zwischen den Wirbelkörpern sitzen. Jede Bandscheibe besteht aus dem äußeren harten Faserring (Anulus fibrosus) und einem weichen gallertartigen Kern (Nucleus pulposus). Während des normalen Alterungsprozesses verliert die Bandscheibe, insbesondere durch Wasserverlust, an Elastizität. Hierdurch können Risse im äußeren Faserring entstehen, durch die sich dann der Gallertkern nach außen vorwölbt (Protrusion) oder sogar durch den Faserring durchbricht (Prolaps). Je nach Größe und Lage des vorgefallenen Gallertkernes können Nerven gedrückt werden und zu Schmerzen sowie Missempfindungen und Lähmungen führen. Typischerweise führen Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule zu Symptome in den Beinen, wohingegen Bandscheibenprobleme der Halswirbelsäule zu spürbaren Veränderungen der Arme führen. Prinzipiell können Bandscheibenvorfälle alle Bereiche der Wirbelsäule betreffen, am häufigsten treten sie jedoch im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.
Nicht selten sind jedoch auch junge Menschen von Bandscheibenvorfällen betroffen. Hierbei spielen vor allem Überlastungen der Wirbelsäule, falsche Belastung, Übergewicht aber auch eine familiäre Veranlagung eine Rolle.

Diagnose:
Neben einer ausführlichen Anamnese und klinischen Untersuchung sind bildgebende Verfahren (MRT, CT) wegweisend für die Diagnosestellung eines Bandscheibenvorfalles.

Behandlung:
Die meisten Bandscheibenvorfälle können konservativ behandelt werden, das heißt ohne eine Operation. Dabei kommen Maßnahmen wie Schmerzmedikamente, physikalische Therapien (Wärme, Elektrotherapie), Massagen, Lagerungsbehandlungen und auch Infiltrationen an die betroffene Nervenwurzel (PRT - periradikuläre Therapie) und in den Rückenmarkskanal (Epidurale Injektion) zur Anwendung. Können unter diesen Therapien die Beschwerden nicht ausreichend verbessert werden oder kommt es zu ausgeprägten Lähmungserscheinungen, so ist eine operative Therapie zu empfehlen.

Eine Operation erfolgt in der Regel minimalinvasiv, das heißt über einen sehr kleinen Hautschnitt. Dadurch können die umgebenden Strukturen geschont werden. Bei der Operation werden die vorgefallenen Bandscheibenanteile entfernt und die Nerven dadurch von ihrem Druck befreit.
Bei sehr fortgeschrittenem Verschleiß kann es in manchen Fällen notwendig sein, den gesamten Bandscheibenrest zu entfernen und durch eine Art Platzhalter (Cage) zu ersetzen. Dabei kommt es zur Stabilisierung in diesem Bereich der Wirbelsäule.

Infektionen an der Wirbelsäule - die Spondylodiszitis

Infektionen der Wirbelsäule stellen seltene Erkrankungen dar. Der Begriff „Spondylodiszitis“ beschreibt dabei den primären Befall der Bandscheibe durch einen Erreger mit Ausbreitung der Infektion auf die benachbarten Wirbelkörper oder auch den Rückenmarkskanal. Prinzipiell können Patienten aller Altersgruppen erkranken, am häufigsten tritt die Spondylodiszitis jedoch im 5. bis 7. Lebensjahrzehnt auf.

Diagnose:
Bis zur Diagnosestellung vergehen nicht selten Monate, da zu Beginn der Erkrankung häufig nur unspezifische Rückenschmerzen beklagt werden, welche auf eine Verschleißerkrankung der Wirbelsäule oder Überlastung geschoben werden. Dabei ist eine frühe Diagnosestellung unabdingbar, um eine gezielte Therapie einzuleiten. In unserer Klinik stehen alle modernen bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT, MRT, Szintigrafie) und Laboruntersuchungen dafür zur Verfügung.

Behandlung:

Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie mit Ausheilung der Spondylodiszitis ist die Ruhigstellung des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts, die antibiotische Therapie und je nach Ausmaß der Erkrankung das operative Ausräumen des Entzündungsherdes.
Das konservative Vorgehen (ohne Operation) kann erwogen werden, wenn die klinischen Symptome und die Destruktion relativ mild ausgeprägt sind oder das Risiko einer Operation zu groß erscheint. Zur Ruhigstellung kommt dann ein Stützkorsett zur Anwendung.

Wirbelbrüche

Die  häufigste Ursache für Wirbelbrüche sind alters- und stoffwechselbedingte Veränderungen der Knochenstruktur durch eine Osteoporose. Aber auch Unfälle und Tumorerkrankungen können zum Einbruch eines oder mehrerer Wirbel führen. Eine wichtige Entscheidung bei der richtigen Therapie richtet sich nach der Unterscheidung der Brüche in stabile und instabile Brüche. Während stabile Brüche in der Regel konservativ behandelt werden können, so ist bei instabilen Brüchen die Empfehlung für eine Operation auszusprechen, da es durch Verschiebungen des Bruches zur Einengung von Nerven und Rückenmark kommen kann.

Hauptsymptome eines Wirbelbruches sind Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Werden durch den Bruch Nerven komprimiert, so können zusätzlich Missempfindungen bis hin zu Lähmungen an den Extremitäten auftreten. Aber auch unspezifische Symptome wie eine rasche Abnahme der Körpergröße und ein zunehmender Rundrücken können wegweisend für das Vorliegen von Wirbelbrüchen sein.

Diagnose:
Bereits im Röntgenbild kann die Diagnose eines Wirbelbruches relativ sicher diagnostiziert werden. Für die Beurteilung der Stabilität des Bruches ist jedoch häufig zusätzlich eine Computertomografie (CT) notwendig. Eine Unterscheidung in einen frischen und alten Bruch sowie das Ausmaß einer Nervenbedrängung gelingt durch das MRT (Magnetresonanztomografie).

Behandlung:

Der wichtigste Grundsatz der Behandlung ist die Ruhigstellung des Bruches. Bei der konservativen Behandlung wird hierfür ein Korsett verordnet. Die Ausheilung des Bruches benötigt dann ca. 3 Monate, anschließend kann das Korsett abtrainiert werden. Liegt eine Osteoporose vor, so werden neben Schmerzmedikamenten zusätzlich Medikamente zur Verbesserung der Knochendichte verordnet. Essentiell während der gesamten Behandlungszeit und darüber hinaus ist eine physiotherapeutische Begleitung mit Erlernen rückengerechter Verhaltungsweisen, Haltungsschulung, isometischen Kräftigungsübungen für die Rumpfmuskulatur und das Erlernen von Hausübungsprogrammen.

Bei der operativen Therapie erfolgt in der Regel eine Überbrückung des gebrochenen Wirbels mittels einer sogenannten Spondylodese, einer Schrauben-Stab-Verbindung. Sind Nerven komprimiert, so müssen diese zusätzlich freigelegt werden. Einige Formen von Wirbelbrüchen können durch eine Ballon-Kyphoplastie stabilisiert werden, einem minimalinvasivem Verfahren, bei dem der betroffene Wirbel mit einen Ballon aufgerichtet wird und anschließend mit Knochenzement aufgefüllt wird. Dies wirkt dann wie ein "Gips von innen". Nach einer Operation können und sollen Patienten sofort mobilisiert werden.  

Degeneration an der Wirbelsäule

 

 

Verkrümmungen der Wirbelsäule / Skoliose

 

 

 

Tumorerkrankungen der Wirbelsäule

 

 

 

Ärzteteam:

OA Dr. med. Peter Rassudow

Departmentleiter Wirbelsäulenchirurgie

OA Dr. med. Peter Obid

Leitung des Bereichs Wirbelsäulendeformitäten