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03.02.2022
Anne Blawert
Persönlichkeit und Altersbilder im Kontext von Healthy Aging

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Publikation November 2021 - Alkohol trinken, um gesund zu bleiben?

Alkohol trinken, um gesund zu bleiben?

Greifswalder Studie widerlegt jahrzehntelange Annahme

 

Es war eine paradoxe Studienlage, dass Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, eine kürzere Lebenserwartung haben. Die soeben in der renommierten Fachzeitschrift PLOS Medicine erschienene Greifswalder Studie konnte nun zeigen, dass die kürzere Lebenserwartung alkoholabstinent lebender Menschen auf Faktoren wie frühere Alkohol- oder Drogenprobleme, tägliches Tabakrauchen und eine schlechtere selbst eingeschätzte Gesundheit zurückzuführen ist.

„Bisherige Studien legten nahe, dass Menschen, die geringfügige bis moderate Mengen trinken, länger leben. Dies führte lange zur Schlußfolgerung, mäßiger Alkoholkonsum könne gesundheitsfördernde Effekte haben, insbesondere in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System. Dies konnten wir nun klar widerlegen“ sagt der Leiter der Studie Professor Ulrich John aus  der Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald.

In einer eigenen Studie haben die Forscher*innen um Ulrich John bereits in den Jahren 1996 und 1997 in Schleswig-Holstein eine Zufallsstichprobe von 4028 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sehr sorgfältig befragt. Dank eines international standardisierten Interviews konnte sogar die An- oder Abwesenheit einzelner psychiatrischer Erkrankungen festgestellt werden. Ebenso wurden frühere Alkohol- und Drogenerkrankungen sowie der Konsum von Alkohol und Nikotin erfasst. Durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte nun rund 20 Jahre später untrsucht werden, welche damaligen Studienteilnehmer*innen wann gestorben sind.

Rund jede zehnte Person (11 %, 447 Personen) dieser befragten Zufallsstichprobe hatte in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung keinen Alkohol getrunken. Die große Mehrheit dieser Personen waren frühere Alkoholkonsumenten (91 %, 405 Personen). Zudem hatten fast drei Viertel von ihnen (72%, 322 Personen) mindestens einen Risikofaktor für eine erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit. Zu diesen Risikofaktoren zählten eine frühere Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder erhöhter Alkoholkonsum (35 %), tägliches Tabakrauchen (50 %) sowie eine nach eigener Einschätzung mäßige oder schlechte Gesundheit (11 %). Ohne Risikofaktoren waren 125 alkoholabstinente Personen.  

„Überraschend war für uns der Befund, dass alkoholabstinente Personen ohne Risikofaktoren sich in ihrer Sterbewahrscheinlichkeit nicht von Menschen mit geringem bis moderatem Alkoholkonsum unterscheiden“ sagt Ulrich John und ergänzt: “Lange Zeit wurde angenommen, dass geringer bis moderater Alkoholkonsum günstige Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. Wir fanden nun jedoch, dass die meisten alkoholabstinent lebenden Personen unserer Studie zuvor Alkohol- oder Drogenprobleme, hohen Alkohol- oder täglichen Nikotinkonsum hatten oder ihre Gesundheit als mäßig bis schlecht bewerteten - alles Faktoren, die bekannt dafür sind, dass sie vorzeitigen Tod vorhersagen.“

„Die Ergebnisse stützen die Einschätzung, dass Menschen, die gerade alkoholabstinent leben, nicht zwangsläufig eine kürzere Lebenszeit haben als diejenigen, die moderat Alkohol konsumieren. Die Ergebnisse widersprechen damit der Empfehlung, aus gesundheitlichen Gründen Alkohol zu trinken," resümiert Ulrich John.

 

Publikation
John U, Rumpf H-J, Hanke M, Meyer C.
Alcohol abstinence and mortality in a general population sample of adults in Germany: A cohort study
PLOS Medicine 2021 https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003819

 

Ansprechpartner
Prof. Ulrich John
Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin
Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald
ulrich.john@med.uni-greifswald.de

Publikation November 2021 - Wie zuverlässig werden Akzelerometer getragen?

Wie zuverlässig tragen Erwachsene im Alter zwischen 40 und 75 Jahren ein Akzelerometer?


Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen sogenannte Fitnesstracker in ihrem Alltag oder beim Sport. Auch in der Forschung werden zunehmend Geräte zur Erfassung von körperlicher Aktivität eingesetzt. Vielfach sind es Akzelerometer. Diese Geräte messen die Beschleunigung des menschlichen Körpers, z. B. beim Spazierengehen, bei der Gartenarbeit, beim Staubsaugen oder beim Joggen. Akzelerometer liefern demzufolge Informationen darüber, wie lange und wie schnell bzw. wie langsam sich ein Mensch bewegt. Zuverlässige Aussagen zu Dauer und Intensität körperlicher Aktivität sind jedoch nur dann möglich, wenn das Gerät im festgelegten Zeitraum auch tatsächlich getragen wurde. Bislang besteht wenig Wissen darüber, ob Eigenschaften eines Menschen (z. B. das Alter oder der Gesundheitszustand) mitbestimmen, ob ein Akzelerometer zuverlässig, d.h. entsprechend der Vorgaben getragen wird oder nicht.

In einem Einkaufszentrum der Hansestadt Greifswald erklärten sich 365 Menschen bereit, ein Akzelerometer über sieben Tage zu tragen. Das Gerät sollte für mindestens 10 Stunden täglich und an einem flexiblen Gürtel oberhalb des rechten Hüftknochens angelegt werden. Als Aufwandsentschädigung wurde an alle Teilnehmenden ein Warengutschein im Wert von 10 Euro ausgegeben.

Von 365 Teilnehmenden hatten 231 (63 %) die Vorgaben zum Tragen des Akzelerometers eingehalten. Weniger zuverlässig wurde das Gerät getragen, wenn Teilnehmende nicht in einer Partnerschaft lebten und sich selbst weniger gesund fühlten. Weitere Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, Schulbildung sowie Erfahrungen mit einem eigenen Fitnesstracker spielten hingegen keine Rolle im Hinblick auf das zuverlässige Tragen des Akzelerometers.

Aus den von Sabina Ulbricht und Kolleg*innen publizierten Ergebnissen lässt sich schließen, dass ungefähr ein Drittel der Erwachsenen, die im Einkaufszentrum auf das Tragen eines Akzelerometers angesprochen werden, die Vorgaben zum Tragen des Gerätes nicht einhält. Vermutlich sind weitere Maßnahmen hilfreich wie z. B. ein Erinnerungsanruf und/oder der Versand einer entsprechenden Nachricht auf das Mobiltelefon. Von diesem Vorgehen profitieren könnten insbesondere Menschen ohne Partner*in oder Personen, die ihre Gesundheit als weniger gut einschätzen.

 

Publikation
Ulbricht S, Siewert-Markus U, Ullrich A, Voigt L, John U
Die Adhärenz Erwachsener an der Bewegungsaufzeichnung über 7 Tage mittels Akzelerometer. Prävention und Gesundheitsförderung. 2021
https://doi.org/10.1007/s11553-021-00910-4

 

Ansprechpartnerin
Prof. Dr. Sabina Ulbricht
Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Institut für Community Medicine
Universitätsmedizin Greifswald
sabina.ulbricht@med.uni-greifswald.de

Publikation Oktober 2021 - Wie zuverlässig lässt sich Depression messen?

Zuverlässigkeit von Fragebögen zur Erfassung von Depression

Sind Skalenwerte über mehrere Zeitpunkte hinweg vergleichbar?


Zur Erforschung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen und psychischer Belastung in der Bevölkerung werden in Forschungsstudien u. a. Fragebögen eingesetzt. Diese müssen zuverlässig die gewünschten Merkmale erfassen, damit die Ergebnisse korrekt interpretiert werden können. Die aktuelle Studie von Anne Möhring und Kolleg*innen beschäftigte sich mit dieser messmethodischen Frage.


Depression gehört zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken. Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa fünf Millionen Menschen an einer Depression. Um eine Depression rechtzeitig erkennen zu können und damit die Heilungschancen zu verbessern, wird im Gesundheitswesen häufig der Fragebogen „Patient Health Questionnaire (PHQ-8)“ zur Früherkennung von Erkrankungen eingesetzt. Dieser PHQ-8 Fragebogen wurde auch im Rahmen des Forschungsprojektes eingesetzt, das die Grundlage der aktuellen Studie bildete.

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurde die Wirksamkeit von verschiedenen Kurzinterventionen zur Vermeidung bevölkerungsrelevanter Gesundheitsrisiken untersucht. Dazu wurden zwischen 2017 und 2018 an drei Standorten (Greifswald, Lübeck und Tübingen) insgesamt 13.763 Patienten in Hausarztpraxen und Allgemeinkrankenhäusern mit Hilfe des Fragebogens PHQ-8 befragt. Anschließend nahmen 588 dieser Personen an einer weiterführenden Intervention zu problematischem Alkoholkonsum und Depression teil und wurden per Zufallsverfahren in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt innerhalb von 12 Monaten zu vier Zeitpunkten eine Intervention zu Alkoholkonsum und Depression. Die zweite Gruppe diente zur Kontrolle und erhielt keine Intervention.

Die jetzt erschienene Publikation von Dr. Anne Möhring und Kolleg*innen wertet Ergebnisse dieser Studie aus. Schwerpunkt der Auswertungen ist die Überprüfung des PHQ-8 im Hinblick auf seine Zuverlässigkeit zur Erfassung depressiver Symptome über den 12-Monats-Zeitraum sowie zwischen den beiden Studiengruppen. Insgesamt lassen die Ergebnisse dieser Analysen den Schluss zu, dass der Fragebogen PHQ-8 zuverlässig für Vergleiche über verschiedene Zeitpunkte und zwischen unterschiedlichen Gruppen verwendet werden kann, solange die Bedingungen zu den einzelnen Messzeitpunkten nicht zu sehr variieren. Vergleiche über verschiedene Zeitpunkte und zwischen unterschiedlichen Gruppen sind allerdings nur begrenzt interpretierbar, wenn die Ausfüllbedingungen zu stark variieren, z. B. wenn Teilnehmer zum ersten Zeitpunkt die Fragen selbstständig im Krankenhaus oder in der Arztpraxis auf einem iPad ausfüllen, zu einem späteren Zeitpunkt jedoch telefonisch interviewt werden. Die Befunde machen deutlich, dass bei ähnlicher Erhebungsform der PHQ-8 ein zuverlässiges Instrument zur Erfassung von Depression über verschiedene Messzeitpunkte hinweg ist.


Publikation
Möhring A, Gürtler D, Krause K, Bischof G, Rumpf H, Batra A, Wurm S, John U, Meyer C
Longitudinal measurement invariance of the patient health questionnaire in a German sample.
BMC PSYCHIATRY. (open access) 2021; 21(1):386.


Ansprechpartnerin
Dr. Anne Möhring
Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Institut für Community Medicine Universitätsmedizin Greifswald
anne.moehring@med.uni-greifswald.de

Publikation September 2021 - Alkoholkonsum und Depressivität

Alkoholkonsum und Depressivität

Welche Rolle spielt Alkoholkonsum für depressive Symptome?

 

Die meisten Menschen erleben von Zeit zu Zeit depressive Symptome. Die aktuelle Studie von Dr. Diana Gürtler und Kolleg*innen, veröffentlicht in der hochrangigen Fachzeitschrift Addiction, beschäftigte sich mit dem Zusammenhang von Alkoholkonsum und depressiven Symptomen.

Übermäßiger Alkoholkonsum stellt weltweit ein großes Gesundheitsrisiko dar. Allein in Deutschland sind über 1 Million Menschen von Alkoholmissbrauch und fast 2 Millionen Menschen von Alkoholabhängigkeit betroffen. Zu den Folgen von übermäßigen Alkoholkonsum gehören neben Leber-, Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen auch Nervenschäden, Angstzustände und depressive Symptome, wie Lustlosigkeit und Reizbarkeit. Entwickelt sich aus letzteren eine schwere Depression, führt dies oftmals in einen Teufelskreis, denn Alkohol kann kurzfristig die Stimmung heben und Ängste abbauen, doch auf lange Sicht werden Probleme und Stimmungstiefs verstärkt.

Zur Verbesserung von Präventions- und Behandlungsangeboten ist es notwendig, die genauen Wirkmechanismen zwischen Alkoholkonsum und Depressionen zu verstehen. Die jetzt erschienene Publikation von Gürtler und Kolleg*innen leistet hierzu einen Beitrag. In einer durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Studie wurden 2017 und 2018 an drei Standorten (Greifswald, Lübeck und Tübingen) 13.763 Patient*innen in Hausarztpraxen und Allgemeinkrankenhäusern befragt. Die Patient*innen wurden abhängig von folgenden Trinkgewohnheiten in sechs Gruppen eingeteilt: Trinkhäufigkeit, Trinkmenge und die Häufigkeit des sogenannten Rauschkonsums (dieser gilt bei Frauen ab 4, bei Männern ab 5 alkoholischen Getränken).

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in der Gruppe, in der am häufigsten und am meisten Alkohol konsumiert wurde, Frauen und Männer im erhöhten Maße depressive Stimmungen, Appetitveränderungen, Schuld oder motorische Veränderungen erlebten. Aber auch eine zweite Gruppe wies eine erhöhte Depressivität auf - wenn auch im geringeren Maße: Personen dieser Gruppe tranken - verglichen mit allen anderen Gruppen – seltener Alkohol (höchstens einmal im Monat). Wenn sie aber Alkohol tranken, lag ihre typische Menge bei mindestens 3-4 alkoholischen Getränken. Männer in dieser Gruppe erlebten in den letzten 12 Monaten im erhöhten Maße Freudlosigkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Frauen in dieser Gruppe erlebten zusätzlich zu diesen Symptomen depressive Verstimmungen, Schuldgefühle oder Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Ergebnisse zeigten sich unabhängig vom Alter, Familienstand, Bildung, Rauchen oder der körperlichen Aktivität der Personen.

Die Befunde machen deutlich, dass sich depressive Symptome nicht nur bei Menschen mit starken Alkoholproblemen gehäuft zeigen, sondern auch bei Menschen mit gelegentlichem, dann aber recht hohem Alkoholkonsum. Bei der Art der depressiven Symptome scheint außerdem das Geschlecht eine entscheidende Rolle zu spielen.

 

Publikation
Gürtler D, Moehring A, Krause K, Tomczyk S, Freyer-Adam J, Baumann S, Bischof G, Rumpf H-J, Batra A, Wurm S, John U, Meyer C
Latent alcohol use patterns and their link to depressive symptomatology in medical care patients
ADDICTION (open access) 2021; 116(5): 1063-1073, https://doi.org/10.1111/add.15261


Ansprechpartnerin
Dr. Diana Gürtler
Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin
Institut für Community Medicine Universitätsmedizin Greifswald
diana.guertler@med.uni-greifswald.de

Publikation September 2021 - Wie Denken und Gangbild zusammenhängen

Unser objektives Gangbild hängt mit unserer Sicht auf das Älterwerden zusammen

 

Eine positive Sicht auf das Älterwerden kann dabei helfen, gesund und fit zu bleiben. Eine neue Untersuchung von Anne Blawert und Kolleg*innen geht der Frage nach, inwieweit eine positive Sicht auf das Älterwerden auch mit dem objektiven Gangbild älterer Menschen zusammenhängt.

 

Eine gute körperliche Gesundheit nimmt für das Wohlbefinden und die Bewältigung des Alltags eines jeden Menschen einen zentralen Stellenwert ein. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit von Muskelabbau und Bewegungseinschränkungen, teilweise bedingt durch Bewegungsmangel, Krankheiten oder altersassoziierte Veränderungen. Dadurch kann es zu einem unsicheren Gangbild kommen. Stürze können die Folge sein. Dies kann ein selbständiges Leben im Alter gefährden.

Die aktuell erschienene Studie untersucht die Rolle einer positiven Sicht auf das Älterwerden für das objektive Gangbild älterer Menschen: Haben Menschen mit einer positiven Sicht möglicherweise einen stabileren und sicheren Gang? Bekannt ist bisher aus Studien, in denen die Gesundheit per Selbstbericht erfragt wurde, dass die Gesundheit damit zusammenhängt, wie Menschen ihr Älterwerden wahrnehmen. Personen, die ihr Älterwerden eher mit körperlichen Verlusten verbinden, entwickeln im Zeitverlauf eine schlechtere Gesundheit und mehr Einschränkungen der körperlichen Funktion als Menschen, die das Älterwerden mit einer persönlichen Weiterentwicklung in Zusammenhang bringen. Das objektive Gangbild wurde bisher jedoch in keiner dieser Studien betrachtet.

Für die Bestimmung des Gangbildes wurden deshalb 150 Proband*innen im Alter ab 70 Jahren gebeten, über einen mit Sensoren ausgestatteten Ganganalyse-Teppich zu gehen – einmal unter der Bedingung, in ihrer normalen Ganggeschwindigkeit zu laufen und einmal so schnell, dass sie noch sicher gehen konnten. Die Sensoren haben dabei gemessen, wie gleichmäßig und schnell die Personen gegangen sind.

Anhand der gemessenen Gangparameter zeigt sich zunächst, dass es zwei Gruppen von Personen gibt. Innerhalb jeder Gruppe ähneln sich die Personen im Gangbild. Die erste Gruppe ist funktional eingeschränkter und geht unregelmäßiger. Die zweite Gruppe ist fitter und geht stabiler.

Unter der Bedingung, in normaler Ganggeschwindigkeit zu laufen, wird deutlich, dass ältere Menschen mit einer verlustbasierten Sicht auf das Älterwerden häufiger zur Gruppe funktional eingeschränkter Personen zählen. Unter der Bedingung, möglichst schnell und zugleich sicher zu laufen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zur fitteren Gruppe zu gehören, allerdings nur, wenn das Älterwerden mit persönlicher Weiterentwicklung verbunden wird.

Die Studie von Anne Blawert und Kolleg*innen kann damit erstmals zeigen, dass Personen mit einer gewinnorientierten Sicht auf das eigene Älterwerden in der Lage sind, körperliche Ressourcen zu mobilisieren und auch unter schwierigeren Bedingungen sicher zu gehen. Wer hingegen sein Älterwerden eher mit körperlichen Verlusten verbindet, hat auch ein objektiv messbar schlechteres Gangbild. Zugleich bestätigt die Studie damit Ergebnisse früherer Studien, wonach die Wahrnehmung des eigenen Älterwerdens mit der Aufrechterhaltung körperlicher Funktionen zusammenhängt.

 

Publikation
Blawert A, Krumpoch S, Freiberger E, Wurm S
Domain-specific self-perceptions of aging are associated with different gait patterns in older adults: a cross-sectional latent profile analysis. BMC GERIATRICS. (open access) 2021; 21(1):392.

 

Ansprechpartnerin
Anne Blawert, M.Sc.
Institut für Community Medicine, Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin
Universitätsmedizin Greifswald
anne.blawert@med.uni-greifswald.de