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Meningeome

Krankheitsbild:

Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen und in der Regel (> 95 %) gutartig sind. Sie machen ca. 20 - 30 % aller Hirntumoren aus und sind damit recht häufig. Sie wachsen meist sehr langsam und verdrängen initial das Hirngewebe, ohne es zu zerstören. Dadurch können sie eine beträchtliche Größe erreichen, bevor sie klinisch auffällig werden. Die Tumoren treten meist im 5. ? 7. Lebensjahrzehnt auf und sind bei Frauen häufiger als bei Männern (Verhältnis 2,5 : 1).

 

Abb 1.

Mikroskopisches (A) und endoskopisches (B) Bild eines Meningeoms

 

 

Symptome:

Die Symptome können sehr vielfältig sein. Sie richten sich nach der Tumorgröße (Hirndrucksymptomatik bei großen Tumoren) und der Tumorlokalisation (z. B. Halbseitenlähmung bei Tumor in der motorischen Zentralregion (Abb. 2), Hirnnervenstörungen bei Schädelbasistumoren (Abb. 3C). Aber auch sehr kleine Tumoren können bei ungünstiger Lage Symptome hervorrufen (Abb. 3A). Meningeome können auch zu einer Blockade der Nervenwasserwege mit der Folge des Nervenwasseraufstaus und der Entwicklung eines Hydrozephalus (Wasserkopf) führen. Die typische Symptome sind dann Kopfschmerzen, Überkeit, Erbrechen oder bei chronischer Entwicklung geistiger Abbau und Gangstörungen. Große Tumoren im Stirnhirnbereich verursachen meist langsam fortschreitende Wesensveränderungen, die aufgrund der langsamen Entwicklung weder vom Patienten selbst als auch von den Angehörigen wahrgenommen werden.

 

Diagnostik:

Die Kernspintomographie (MRT) mit Kontrastmittelgabe ist die Untersuchung der Wahl. Diese Technik erlaubt die Darstellung auch sehr kleiner Tumoren (Abb. 2A). Neben der Bildgebung sind eine neurologische Untersuchung sowie je nach der Tumorlokalisation eine HNO- und augenärztliche Vorstellung zur Untersuchung des Gehörs, des Gleichgewichts und des Sehvermögens wichtig.

 

Abb. 2

Kernspintomographie eines Meningeoms in der Präzentralregion, das eine Halbseitenlähmung verursachte.

 

 

Abb. 3

A: Kleines Meningeom (Pfeil), das in den linken Sehnervenkanal einwächst und zu einer Erblindung führte. B: Meningeom im Hinterhauptsloch mit Kompression des Hirnstammes, das eine Lähmung von Armen und Beinen verursachte. C: Meningeom im Kleinhirnbrückenwinkel, das zu Ohrgeräuschen und einer Hörminderung führt

 

 

Behandlung:

Die komplette Tumorentfernung ist die Therapie der Wahl. Durch die Operation ist eine Heilung möglich. Rezidive sind nach kompletter Tumorentfernung selten (in unserer Serie ca. 5%). Jedoch wird nicht um jeden Preis eine komplette Tumorentfernung angestrebt. Infiltriert der Tumor funktionell wichtige Strukturen und eine vollständige Tumorentfernung würde mit Sicherheit zu schweren neurologischen Defiziten führen (z. B. Lähmungen, Doppelbilder), werden kleine Tumorreste belassen und anschließend mit regelmäßiger MRT-Bildgebung kontrolliert. Bei Tumorwachstum erfolgt eine Präzisionsstrahlentherapie (z. B. Radiochirurgie). Nicht alle Meningeome müssen unbedingt sofort operiert werden. So kann man bei kleinen Tumoren, die durch Zufall entdeckt werden und keine Symptome verursachen, durchaus abwarten und den Befund kontrollieren (insbesondere bei älteren Patienten). Eine primäre Bestrahlung wird nur bei kleinen Tumoren und OP-Kontraindikation (z. B. hohes Narkoserisiko aufgrund von Herz- oder Lungenerkrankung) oder bei ausdrücklichem Patientenwunsch durchgeführt.

 

Bei der Operation von Schädelbasismeningeomen hat sich die endoskopisch-assistierte mikrochirurgische Technik sehr bewährt. Durch den Einsatz von Endoskopen kann um Nerven und Gefäße sowie um knöcherne Ecken der Schädelbasis ?herum?gesehen werden. Dadurch wird das Ausmaß der chirurgischen Präparation reduziert. Ausgedehnte Schädelbasiszugänge, bei denen große Teile der Schädelbasis abgefräst werden, können vermieden werden. Häufig gelingt es auch größere Tumoren über kleine schonende Schädelöffnungen (Schlüssellochchirurgie) zu entfernen (Abb. 4). Insgesamt resultiert aus dem Einsatz der endoskopisch-assistierten Technik eine weniger invasive Operation.

 

1. Fallbeispiel (mit Video):

Die 61jährige Patientin klagte über eine progrediente Visusminderung. Die augenärztliche Untersuchung ergab eine nahezu vollständige Erblindung links und eine hochgradige Gesichtsfeldeinschränkung rechts. Im MRT zeigte sich ein großes Meningeom der Frontobasis mit Verlagerung und Kompression der Sehnerven. Über einen Augenbrauenschnitt und eine kleine, ca. 2 x 2,5 cm große Kraniotomie wurde der Tumor unter mikroskopischer und endoskopischer Sicht vollständig entfernt. Dabei musste der Tumor scharf von der vorderen Hirnarterie abpräpariert werden. Mit dem Endoskop wurde in den Sehnervenkanal gesehen und dort Tumor unter endoskopischer Sicht entfernt. Die Sehschärfe hat sich rechts gebessert bei weiterhin bestehender Hemianopsie. Linksseitig ergab sich erwartungsgemäß keine Besserung, da der Sehnerv schon schwer geschädigt war (papierdünner Restnerv). Das kosmetische Ergebnis des Augenbrauenschnittes ist exzellent mit kaum sichtbarer Narbe.

 

Abb 4.

A und B: Die T1-gewichteten sagittalen und coronaren MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel zeigen ein großes Tuberculum sellae-Meningeom mit Chiasmakompression

C: Zugang über einen Augenbrauenschnitt.

D: Die postoperative Schädelaufnahme zeigt die kleine supraorbitale Craniotomie (Pfeile). E und F: Die postoperativen T1-gewichtete MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel zeigen die komplette Tumorentfernung. G und H: Gutes kosmetisches Ergebnis mit kaum sichtbarer Narbe 6 Monate postop.

 

 

2. Fallbeispiel (mit Video):

Die 46jährige Patientin klagte über Kopfschmerzen. Im MRT zeigte sich ein großes petroclivoforaminales Meningeom mit Verlagerung und Kompression des Hirnstammes. Aufgrund der Hirnstammkompression bestand eine potentiell lebensbedrohliche Situation. Tumoren in dieser Region gehören zu den anspruchvollsten Tumoren in der Neurochirurgie, da sie viele wichtige Hirnnerven und Blutgefäße umwachsen und daher die Operation technisch sehr schwierig ist. Trotzdem konnte der Tumor über einen weit seitlichen Zugang unter mikroskopischer und endoskopischer Sicht vollständig entfernt werden. Die Patientin hat sich sehr gut von der langen Operation erholt. Es besteht lediglich noch eine Schwäche der Zungenmuskulatur und Heiserkeit.

 

Video 2 (3.1 MB)

Zum Starten der Videosequenz bitte auf das Bild klicken.

Abb 5.

A: Die T1-gewichteten MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel zeigen das große Meningeom mit Hirnstammkompression

B: Die postoperativen T1-gewichtete MRT-Aufnahmen mit Kontrastmittel 1 Jahr postoperativ zeigen die komplette Tumorentfernung. Der Hirnstamm liegt frei.

C und D: Patientin 6 Monate postoperativ. Gutes Ergebnis ohne Gesichts-, Augenmuskel- oder Extremitätenlähmung.

 

 

3. Fallbeispiel (mit Video)

Bei der 50-jährigen Patientin wurde als Zufallsbefund ein kleines Tuberculum sellae-Meningeom diagnostiziert. Trotz des unauffälligen neurologischen Befundes wünscht die Patientin aufgrund der Nähe des Tumors zu den Sehnerven die Tumorentfernung. Nach Aufklärung über Vor- und Nachteile des transkranialen und endonasalen Zugangsweges entschied sich die Patientin für die endonasale Tumorresektion.

Bildgebung vor der OP

Video

Ergebnis

Postoperativ hat die Patientin keine neurologischen Ausfälle. Das MRT ein Jahr nach der Operation zeigt die komplette Tumorentfernung und die gut rekonstruierte Schädelbasis.

Bildgebung nach der OP

Bildgebung 5 Jahre nach der OP

4. Fallbeispiel (mit Video)

Die 49-jährige Patientin war durch Kopfschmerzen, Sensibilitätsstörungen im Bereich der Lippen und intermittierende Schluckstörungen auffällig geworden. In der bildgebenden Diagnostik zeigte sich ein großes petroclivales Meningeom mit deutlicher Hirnstammkompression.

Bildgebung vor der OP

Video

Ergebnis

Postoperativ hatte die Patientin eine partielle Okulomotoriusparese links, eine leichtgradige Facialisparese (House und Brackmann Grad II) sowie eine komplette beidseitige Abduzensparese. Die Facialisparese sowie die Okulomotoriusparese haben sich innerhalb von 2 Wochen komplett zurückgebildet. Die Abduzensparese bestand fast 4 Monate.

Die postoperativen MRT-Aufnahmen ein Jahr nach der Operation zeigen die komplette Tumorentfernung ohne Hinweis für Tumorrest bzw. –rezidiv. Die Patientin ist neurologisch unauffällig.

 

Bildgebung nach der OP

5. Fallbeispiel (Mit Video) - Tuberculum Jugulare Meningeom

Der 65-jährige Patient war durch Kopfschmerzen und Schwindel sowie eine ausgeprägte Gangunsicherheit auffällig geworden. In der bildgebenden Diagnostik zeigte sich ein großes Tuberculum jugulare-Meningeom mit deutlicher Hirnstammkompression. Der 65-jährige Patient war durch Kopfschmerzen und Schwindel sowie eine ausgeprägte Gangunsicherheit auffällig geworden. In der bildgebenden Diagnostik zeigte sich ein großes Tuberculum jugulare-Meningeom mit deutlicher Hirnstammkompression.

 

 

Bildgebung vor der OP

Video

Bildgebung nach der OP

Operation und Ergebnis

Der Tumor wurde über einen weit seitlichen Schädelbasiszugang operiert, um vor den Hirnstamm zu gelangen. Zur Überwachung der Hirnnervenfunktion erfolgt die Operation unter Neuromonitoring der Hirnnerven 7 -12.

Postoperativ hatte der Patient eine vorübergehende leichte Schluckstörung sowie eine leichte Schwäche der Schulterhebung.

In der Verlaufskontrolle 3 Monate nach OP berichtete der Patient über Wohlbefinden. Es bestanden keine neurologischen Defizite. Auch 18 Monate nach der Operation ist der Patient beschwerdefrei ohne neurologische Symptome.

 

 

 

Rückfragen an Prof. Dr. med. Henry W. S. Schroeder, Tel.: 03834-86-6162,

Fax: 03834-86-6164, E-Mail: Henry.Schroeder@uni-greifswald.de



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