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nach 1990

Quellen



Von der Wiedervereinigung bis heute (nach 1990)

Im Zuge der personellen und organisatorischen Umstrukturierungen an der Universität nach der politischen „Wende“ und der deutschen Wiedervereinigung, die mit einer Überprüfung der Fakultätsmitglieder durch Ehrenkommissionen und mit den notwendigen Anpassung an das neue Landeshochschulgesetz einhergingen [17], verließ Günter Rabending 1991 die Klinik auf eigenen Wunsch und arbeitete anschließend bis 1996 als niedergelassener Nervenarzt in Greifswald [35,36]. Für die Beurteilung der Hintergründe dieses Bruches in seiner Berufsbiographie wäre eine bisher noch ausstehende differenzierte Untersuchung seines Wirkens und seiner Rolle als exponierter Wissenschaftler in der damaligen DDR einschließlich der damit verbundenen Verflechtungen mit dem Ministerium für Staatssicherheit [44] erforderlich.

Nach Rabendings Ausscheiden übernahm Wolfgang Fischer das Direktorat der Klinik, wobei die neurologische Abteilung, deren Auszug aus den angestammten Gebäuden zu diesem Zeitpunkt bereits geplant war [43], kommissarisch von Hans Röder geleitet wurde, während Uwe Runge die Leitung des Epilepsiezentrums übernahm [36]. Mit der Berufung von Christof Kessler (*1950) auf eine eigenständige C4-Professur für Neurologie zum 1. Januar 1994 wurde nun die bereits vor mehr als 80 Jahren von Ernst Schultze geforderte Trennung in eigenständige Kliniken für Psychiatrie und Neurologie realisiert, wie sie sich nach 1990 in den neuen Bundesländern in Angleichung an die alten Länder zum großen Teil vollzog [5]. Der angesehene epileptologische Bereich der Neurologischen Klinik konnte gleichzeitig über die Gründung eines interdisziplinären Zentrums für präoperative Epilepsiediagnostik und Epilepsiechirurgie noch weiter ausgebaut werden [36].

Wolfgang Fischer stieß in Rückbesinnung auf die Tradition der Klinik gemeinsam mit dem Medizinhistoriker Heinz-Peter Schmiedebach (*1952) die Erforschung der Geschichte der Greifswalder Universitätspsychiatrie an. Der Zeitraum seines eigenen Direktorates während des komplexen Transformationsprozesses der Psychiatrie [45] ist bisher jedoch historisch nicht untersucht.

Bemerkenswert ist jedoch eine besondere Entwicklung zum Nachteil der Klinik in Greifswald, die sich während Fischers Amtszeit vollzog. Auf Anregung des Wissenschaftsrates, der dem Universitätsklinikum eine Bettenreduktion nahegelegt hatte, entschlossen sich die Gremien der Universität Greifswald Mitte der 90er Jahre die Klinik am Standort Greifswald aufzulösen. Über einen Kooperationsvertrag zwischen der Universität Greifswald, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem damals noch kommunalen Klinikum der Hansestadt Stralsund wurde die Mitnutzung der Stralsunder Klinik für Psychiatrie, einem früheren Bezirkskrankenhaus der DDR [46], als Universitätsklinik geregelt.

 

 

Abb. 15: Harald J. Freyberger

Im Dezember 1997 erfolgte die Berufung von Harald J. Freyberger (*1957) (Abb.15) auf die neu ausgeschriebene C4-Professur für Psychiatrie und Psychotherapie. Parallel dazu wurde die Klinik am Standort Greifswald in dem traditionsreichen Gebäude in der Ellernholzstraße Ende 1998 geschlossen und als Bereich für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität unter Leitung von Wolfgang Fischer weitergeführt bis nach dessen Ausscheiden im März 2001 die Leitung ebenfalls an Freyberger überging [47]. Praktisch handelte es sich hier um den Rückgriff auf ein Modell, wie es bereits im 19. Jahrhundert bei der Gründung der stationären Psychiatrie in Greifswald bestand, sich längerfristig aber nicht bewährt hatte.

Der Einzug der Universitätspsychiatrie in Stralsund führte zu einem nachhaltigen Aufschwung für die frühere Versorgungsklinik einschließlich einer maßgeblichen Kapazitätserweiterung wie auch der Etablierung von Lehre und Forschung. Der Abschluss des Enthospitalisierungsprozesses im Zuge einer stärkeren Vernetzung mit den sozialpsychiatrischen Leistungsanbietern bis Ende der 1990er Jahre ermöglichte eine qualitative und quantitative Aufwertung der klinischen Versorgungsangebote durch eine Differenzierung über störungsorientierte, tagesklinische und poliklinische Behandlungsansätze einschließlich der Etablierung gemeindenaher Angebote in mehreren Orten der Region und in der Innenstadt Stralsunds [46].

Im Bereich der Lehre wurden neben der weiter in Greifswald stattfindenden Hauptvorlesung klinische Praktika und Seminarangebote in Stralsund realisiert. Die Klinik war zudem an der Gründung von zwei Psychotherapieausbildungsinstituten für die Aus-, Fort- und Weiterbildung beteiligt. Die Forschung richtete sich an den Forschungsschwerpunkten „Community Medicine“ und „Neurowissenschaften“ der Greifswalder Medizinischen Fakultät aus und beinhaltet bis heute vor allem die Bereiche Epidemiologie und Gen-Umwelt-Interaktionen, Trauma- und Gewaltforschung, Suchterkrankungen sowie Sozialpsychiatrie und Versorgungsforschung. Es wurden Kooperationen mit anderen Kliniken und Instituten in Greifswald geschlossen und 2001 in enger Kooperation mit dem Landesverband Sozialpsychiatrie in Rostock das Institut für Sozialpsychiatrie gegründet, das als An-Institut der Universität Greifswald fungiert. Mit der Übertragung des Lehrauftrages für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Heidelberg an Sven Barnow (*1964) wurde 2007 in Freybergers Amtszeit ein erster Mitarbeiter der Klinik auf einen auswärtigen Lehrstuhl berufen [47]. Im Jahr 2013 folgte die Berufung von Manuela Dudeck (*1968) als Professorin für Forensische Psychiatrie an die Universität Ulm sowie ihre Ernennung zur ärztlichen Direktorin der Forensischen Klinik in Günzburg.

 

 

Abb. 16: Hans Jörgen Grabe

Ein erster konkreter Schritt im Rahmen von Bestrebungen, auch am Standort Greifswald wieder eine universitäre Psychiatrie zu entwickeln, wurde mit der Eröffnung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Tagesklinik mit 20 Plätzen einschließlich einer Institutsambulanz in den angestammten Räumen der Ellernholzstraße in der Trägerschaft der Universitätsmedizin 2008 gegangen. Im April 2015 folgte die Neueröffnung einer auf Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen, Traumafolgestörungen sowie Adipositas bei psychiatrischen Erkrankungen spezialisierten Station mit 30 Behandlungsplätzen im zentralen Klinikkomplex der Universitätsmedizin Greifswald in der Ferdinand-Sauerbruch-Straße. Gleichzeitig wurde unter Fortführung des Direktorats von Harald Freyberger in Stralsund Hans Jörgen Grabe (*1966) (Abb.16) – vorher leitender Oberarzt an der Stralsunder Klinik - auf eine W3-Professur und zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin am Standort Greifswald berufen.

 

 



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