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Kolloidzysten

Krankheitsbild

Kolloidzysten sind gutartige zystische Strukturen, die typischerweise im vorderen oberen Bereich der dritten Hirnkammer (Ventrikel) vorkommen. Wenn sie den Übergang vom Seitenventrikel zum dritten Ventrikel (Foramen Monroi) verlegen, entsteht ein Passagehindernis für das Nervenwasser und somit ein Hydrocephalus.

 

Symptome

Kolloidzysten manifestieren sich meist im Erwachsenenalter durch klinische Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen oder Einschränkungen von Konzentration und Gedächtnis. Bei einigen der uns vorgestellten Patienten wurde die Zyste als Zufallsbefund entdeckt. Kolloidzysten können jedoch auch zu einem akuten Hirndruckanstieg mit Koma und Todesfolge aufgrund eines sich schnell entwickelten Hydrozephalus (=Wasserkopf) führen, und bedürfen daher einer besonderen Beachtung!

 

Diagnostik

Die Computertomographie (CT) kann eine Kolloidzyste als hyper- oder hypodense Läsion am Dach des dritten Ventrikels nachweisen. Zusätzlich kann die CT Zeichen eines Hydrozephalus mit Aufweitung der Seitenventrikel aufzeigen.

 

Um eine detaillierte Darstellung einer Kolloidzyste zu ermöglichen, ist jedoch die Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich. Besonders die Darstellung in drei Ebenen ist sowohl bei der Therapieentscheidung als auch bei der Operationsplanung von großer Bedeutung.

 

Abb 2.

Kernspintomographie einer Kolloidzyste in der 3. Hirnkammer (Pfeile) in koronarer, axialer und sagittaler Schnittebene. Man erkennt eine beginnende Störung der Nervenwasserzirkulation mit Ausbildung eines Hydrocephalus (offene Pfeile).

 

 

Behandlung:

Kolloidzysten, die keine Liquorzirkulationsstörungen verursachen, sollten in regelmäßigen Abständen durch eine zerebrale Bildgebung (CT oder vorzugsweise MRT) in Bezug auf Größe und Form kontrolliert werden. Zysten, die durch einen Wasserkopf symptomatisch sind, sollten möglichst rasch operiert werden. Da Kolloidzysten zu einem akuten Hirndruckanstieg mit Koma und Todesfolge aufgrund eines sich schnell entwickelten Hydrozephalus (=Wasserkopf) führen können, empfehlen wir auch bei asymptomatischen Zysten, die bereits zu einer Nervenwasserzirkulationsstörung geführt haben, meist die Zystenentfernung. Mehrere Fallberichte über einen plötzlichen Bewusstseinsverlust bei Patienten mit bislang unentdeckten Kolloidzysten weisen daraufhin, dass eine präventive Operation sinnvoll ist.

 

Prinzipiell stehen zwei Operationsmethoden zur Verfügung. Kolloidzysten können ? erstens ? über eine Kraniotomie (Schädeleröffnung) mikrochirurgisch entfernt werden. Diese Therapie galt lange als Standardverfahren und gestattet in der Regel die vollständige Resektion der Zyste. In unserer Klinik favorisieren wir ein minimal invasives endoskopisches Verfahren, mit dem die Mehrzahl der Zysten ebenfalls vollständig entfernt werden kann.

 

Um die Zyste optimal zu erreichen, wird die Position des Eintrittpunktes für das Endoskop mit der Neuronavigation geplant (Abb. 3). Nach Einführen eines Endoskopes in den vorderen Anteils eines Seitenventrikels (Vorderhorn) kann die Kolloidzyste unter endoskopischer Sicht mit speziellen Instrumenten (endoskopische Scheren, Fasszangen, Koagulationselektroden, Absaugkatheter) entfernt werden. Die bisherige Literatur zeigt, dass die langfristigen Ergebnisse der endoskopischen Operation in Bezug auf Erfolgsrate, Rezidivneigung und Komplikationen denen der mikrochirurgischen Operation ebenbürtig sind. Ein Vorteil der endoskopischen Methode liegt darin, dass durch den endoskopischen Zugang weniger Hirngewebe geschädigt wird, als bei der offenen Operation (Durchmesser des Endoskopes 6,8 mm). Die Patienten können postoperativ sehr schnell wieder vollständig mobilisiert werden.

 

In der Nachbetreuung haben regelmäßige MRT-Kontrollen einen hohen Stellenwert. Obwohl in unserer Sprechstunde bisher kein erneutes Auftreten von Kolloidzysten nach einer endoskopischen Operation gesehen worden ist, so sind doch in der neurochirurgischen Literatur Fälle von Rezidiven auch nach mehr als zehn Jahren beschrieben worden. Daher ist eine Langzeitverlaufskontrolle mit regelmäßiger MRT-Bildgebung notwendig.

 

1. Fallbeispiel mit Video

Die 59jährige Patientin klagte über Kopfschmerzen, Störungen von Gedächtnis und Konzentrationsvermögen sowie Gleichgewichtsstörungen. Im CT erkennt man eine Kolloidzyste in der 3. Hirnkammer. Die Zyste wurde endoskopisch unter neuronavigatorischer Führung komplett entfernt. Die Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörugen bildeten sich zurück.

 

Abb 4.

A: Die Computertomographie zeigt eine Kolloidzyste (Pfeil) mit Blockade des Foramen Monroi. B: Neuronavigation zur Zugangsplanung. C: Das Video zeigt die endoskopische Zystenentfernung. Zunächst Koagulation der Zystenwand. Danach Eröffnung der Zyste mit der Schere, Absaugen des Zysteninhaltes und Entfernung der Zystenmembran. D: Die postoperative Computertomtographie zeigt die komplette Zystenentfernung.

 

 

2. Fallbeispiel

Der 37jährige Patient wurde auffällig mit Kopfschmerzen, genereller Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsknick. Die Kernspintomtographie (MRT) zeigte eine große Kolloidzyste in der 3. Hirnkammer und eine enorme Erweiterung der Hirnkammern. Die Zyste wurde endoskopisch vollständig entfernt. Postoperativ bildete sich die Symptomatik innerhalb weniger Wochen vollständig zurück. Die MRT-Bilder 2 Jahre nach der Operation zeigen eine vollständige Zystenresektion und eine deutliche Abnahme der Ventrikelweite bei freier Liquorpassage.

 

Abb 5.

A: Das MRT zeigt eine große Kolloidzyste (Pfeil) am Dach der 3. Hirnkammer, die zu einem Verschlußhydrocephalus mit enormer Erweiterung der Seitenhirnkammern geführt hat. B: Zystenmembran nach vollständiger Entfernung aus der Hirnkammer. C: Das MRT 2 Jahre nach der Operation zeigt die komplette Zystenentfernung und die abnehmende Ventrikelerweiterung.

 

 

 

 

3. Fallbeispiel (mit Video)

MRT:

Die 46-jährige Patientin war durch mentalen Abbau und unspezifische Missempfindungen im Bereich der linken Körperhälfte auffällig geworden. In der bildgebenden Diagnostik zeigte sich eine Kolloidzyste am Dach des 3. Ventrikels, die zu einer beidseitigen Foramen Monroi-Blockade führte mit konsekutivem Aufstau der beiden Seitenventrikel.

 

Navigation:

Die Einführung des Endoskopschaftes erfolgte unter neuronavigatorischer Führung, wobei das Bohrloch weit lateral und weit frontal auf der rechten Seite gewählt wurde, um einen guten Überblick über die Ansatzstelle der Zyste am Dach des 3. Ventrikels zu erhalten.

 

Bildgebung vor der OP

Video

Intraoperative Neuronavigation

Endoskopschaft mit Navigationsadapter

Ergebnis

Postoperativ haben sich die Symptome komplett zurückgebildet. Die postoperative MRT-Kontrolle ein Jahr nach der Operation zeigt eine deutliche Reduktion der Ventrikelweite sowie die vollständige Entfernung der Zyste.

Bildgebung nach der OP

4. Fallbeispiel (mit Video)

MRT:

Der 32-jährige Patient wurde durch akute Kopfschmerzattacken und Schwindelgefühl auffällig. In der bildgebenden Diagnostik zeigte sich eine Kolloidzyste am Dach des 3. Ventrikels, die das linke Foramen Monroi verlegt und so zu einer Erweiterung der linken Hirnkammer führte.

 

Navigation:

Aufgrund der unilateralen Erweiterung der linken Hirnkammer erfolgt der Zugang von links. Das Bohrloch wird weit frontal und soweit wie möglich lateral gewählt, um einen guten Überblick über das Dach des 3. Ventrikels zu erhalten.

 

Bildgebung vor der OP

Video

Intraoperative Neuronavigation

Ergebnis

Das postoperative MRT-Bild zeigt die komplette Zystenentfernung. Die Ventrikelweite ist bereits 14 Tage nach der Operation deutlich rückläufig. Die Beschwerden des Patienten hatten sich sofort nach der Operation zurückgebildet.

Bildgebung nach der OP

5. Fallbeispiel (mit Video)

Der 22-jährige Patient wurde durch zunehmende Kopfschmerzen, Druckgefühl im Kopf und Erbrechen auffällig. In der MRT-Bildgebung zeigte sich eine Kolloid-Zyste mit Verschluss beider Foramina Monroi und Erweiterung beider Seitenventrikel.

 

Bildgebung vor der OP

Video

Bildgebung nach der OP und Ergebnis

Die MRT-Bildgebung zwei Jahre nach der Operation zeigt die vollständige Entfernung der Zyste. Die Ventrikelweite hat deutlich abgenommen. Die Patient ist symptomfrei.

 

 

Rückfragen an Prof. Dr. med. Henry W. S. Schroeder,

Tel.: 03834-86-6162, Fax: 03834-86-6164, E-Mail: Henry.Schroeder@uni-greifswald.de

 



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